Von der Lymphe und den Lymphgefässen der Leber. Von Dr. E. Fleisch). Mit 1 Tafel in Steindruck. I. Wenn man am lebenden Hunde kurze Zeit nach der Un¬ terbindung des ductus choledochus die Lymphgefässe blosslegt, welche aus der porta hepatis in die cisterna chyli gehen, so be¬ merkt man sogleich, dass der sonst farblose Inhalt jener Ge- fässe gelblich tingirt ist. Diese Thatsache, welche mir Herr Pro¬ fessor Ludwig zu zeigen die Güte hatte, bildete den Ausgangs¬ punkt der folgenden Untersuchung. Die Vermuthung, dass die gelbe Farbe, welche die Leber- lvmphe zeigte, von beigemengter Galle herrühre, wurde durch den Versuch bestätigt. Einige Tropfen dieser Flüssigkeit gaben mit Salpetersäure auf das ausgeprägteste die Gmelirisehe Reaction auf Gallenfarbstoff. Um zu entscheiden, ob sie auch mit Gallen¬ säure beladen sei, dazu genügten natürlich die geringen Mengen nicht, die ich mit der Pipette aus den geschwollenen Lymph¬ gefässen entnommen hatte. Um die hierzu nöthigen Volumina zu gewinnen, boten sich zwei Wege : man konnte die Lymphe un¬ mittelbar in der Nähe der Leber oder aus dem ductus thoracicus auffangen. Dem ersteren Unternehmen stellen sich grosse, keines¬ wegs jedoch unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen , wenn man darauf verzichtet, die Lymphe vor den Drüsen zu nehmen, welche sich zwischen die Leber und die Cisterna einschieben. Un¬ mittelbar am Uebergang der Gefässe in den grossen Lymphbe- hälter gelingt es, eine Canüle einzubinden ; aber aus ihr ist die Leberlymphe nicht rein zu gewinnen, da sich in den Drüsen, welche die portalen Lymphgefässe aufnehmen, der Lymphe aus der Leber auch die des Darmes beimischt. — Zudem würde man an diesem Orte nur einen Bruchtheil der Leberlymphe erhalten, da die Leber, wie ich im Verlaufe dieser Abhandlung zeigen