102 auf die Venenftämme des Beckens, bewirken dadurch einen verminderten Abflufs des Bluts aus den Venen* netzen der Ruthe, und dadurch wird diefe in Erection verfetzt. In diefem Fall ift alfo der Zuflufs des Bluts durch die Arterien in die Ruthe nicht vermehrt, fondern der Abflufs durch die Venen ift vermindert, das Blut fammelt fich in den Zellen der Ruthenvenen an, und das Refultatift daffelbe, nämlich Aufrichtung der Ruthe. Diefe Art der Erection , welche ich zum Unterfchiede der vorherigen, die venöfe nennen will, erfolgt ge¬ wöhnlich imMorgenfchlaf,beiMenfchen, welche Abends eine ftarke Mahlzeit, oder blähende Speifen, oder viele wäfferige Getränke zu fich genommen haben. Auch tritt fie bei folchen ein, welche durch Anstrengung des GeifteS die Verdauung ftören, und dadurch zur Erzeu¬ gung von Blähungen beitragen, oder fich bald nach der Mahlzeit zu Bette begeben und lange fchlafen. End¬ lich kommt fie auch beiMännern vor, welche an Häm- morrhoiden leiden, in Folge einer krankhaften An- fammlung des Bluts in den Venen des Maftdarms und der Genitalien, bei verminderter Contractilität diefer Gefäfse. In diefen Fällen erfolgen häufig nächtliche Saamenergiefsungen, und zwar wie es fcheint dadurch, dafs bei der Erection wohllüftige Träume entftehen, und dafs diefe erft durch den Reiz auf die Nerven der Genitalien die Zufammenziehung der Saamenbläschen verurfachen. Es ift mir wahrfcheinlich, dafs die bei Epileptifchen und Gehenkten eintretende Erection eben¬ falls venöfer Art ift. Die dritte Art der Erection, welche bei vermehr¬ tem Zuflufs des Bluts zu der Ruthe durch die Arterien und bei vermindertem Abflufs durch die Venen Statt findet, kann mit einer der beiden vorhergehenden Arten verbunden feyn, und fcheint vorzüglich bei dem Pria¬ pismus vorzukommen.