98 I Da ich die eine Rückenfchlagader der Ruthe mit einer fehr feinen, gefärbten Flüffigkeit, nämlich mit fein gepülvertem Zinnober und Terpentingeift ange- füllt hatte, fo war diefe, Flüffigkeit durch die feinften » Arterienzweige nicht nur in die erweiterten Venennetze des vermeintlichenfchwammigen Körpers eingedrungen, fondern auch felbft in die Rückenvene der Ruthe. Der allmählig gröfser werdende und wenigere Netze bildende Stamm der Rückenvene lief unter der Schaambein- verbindung durch, und mündete in die Beckenvenen ein. Die Aefte der Rückenichlagader der Ruthe wur¬ den von ungemein grofsen Nerven begleitet, welche lieh mit den Arterien in kleinere Aefte und Zweige vertheilten, und durch die Löcher des fehnigen Ueber- zugs in das Innere der Ruthe eindrangen (Fig. 2. c.). Aus diefen Unterfuchungen geht alfo hervor, dafs es in der männlichen Ruthe des Pferds keinen befonderen, von den Gefäfsen verfchiedenen fchwammigen oder zel- : ligen Körper giebt, welcher zwifchen den Arterien und Venen in der Mitte liegt, fondern dafs die Räume und Zellen, welche man fiir den fchwammigen Körper gehalten hat, nur Erweiterungen der vielfach verfchlun- genen Venennetze find. Mithin tritt bei der Aufrich- 'tung der Ruthe das in vermehrter Quantität durch die Arterie zu derfelben geführte Blut keineswegs aus der Arterie in Zellen eigenthiimlicher Art, fondern es ergiefst fich in die zufammengefallnen Zellen der Venen, er¬ weitert diefe durch Anfüllung, und bewirkt dadurch das Steifwerden der Ruthe. Ferner wird auch das Blut bei dem Schlaffwerden der Ruthe nicht, wie die Phyfiologen annehmen, durch befondere Mündungen der Venen aus dem fchwammigen Körper wieder aufge- faugt, fondern es wird allmählig durch die Venen au* der Ruthe abgeleitet.