310 VIL Verfchimmelung (Mucedo) im lebenden Kör¬ per. Von A. C. Mayer y Profector am anatomi- fchen Theater zu Bern. Ein Holzheher (Corvus glandarius) ftarb neulich in der Nacht im Zimmer und wurde am Morgen fchon ziem¬ lich fteif gefunden. Da die Todeserftarrung fich noch nicht völlig entwickelt hatte, fo mochte er nicht über ein Paar Stunden todt feyn. Er eilte fo dem Tode des Verfuehes, zu welchem er beftinjmt war, voraus. Ich bemerkte, dafs erden Tag vorher traurig, fchwer ath- mend und mit zwifchen die Schultern eingezognem Kopfe da fais. Als wir, Herr Prof. Emmert und ich, ihn öffneten, fahen wir zu unferm Erftaunen auf der rech¬ ten Lunge einen wahren Schimmel, welcher dem Brod fchimmel ähnlich war, auffitzen. Alle Eingeweide der Bauch - und Brufthöhle, fo wie auch das Gehirn, waren natürlich b eich affen. Als die Lungen näher betrachtet wurden, fand lieh, dafs an beiden fich ein Byfsus angefetzt hatte. Er ging auf beiden von dem mittlern Luftloch, wodurch die Lunge mit einem der feitlichen Bauchluftfäcke in Verbindung fteht, aus, und ragte auf der linken Lunge nur wenig über den Stand diefes Luft¬ loches heraus, dehnte fich aber auf der nach unten gegen das Abdomen gekehrten Oberfläche der rechten Lunge vier Linien in die Länge und zwei Linien in die Breite aus, Die Subftanz dev Lunge fchien äufserlich gefund. Als ich diefe aber von den Rippen losfehälte, und hie und da Einfchnitte in felbige machte, fand fich, dafs fie an mehreren Stellen, befonders am obern Lappen, und fodann da, wo der Byfsus auffafs, im Ganzen fa/t zur Hälfte, in eine braune fpeckige Maffe degenerirt war, die zwar noch das zellige und üebförmige Anfehen, wie die noch gefunden Theile hatte, aber mehr der Leherfubftanz an Farbe und Härte glich. In diefer