Die tonischen und reflectorischen Centren der Gefässneryen. Von Ph. Owsjannikow. Einleitung und Fragestellung. Nach den gegen¬ wärtig herrschenden Anschauungen werden die motorischen Gefässnerven innerhalb der nervösen Centralorgane erregt durch leidenschaftliche Zustände, durch Reflexe und endlich durch einen besonderen automatisch wirksamen Reizungs¬ apparat. Die unbestrittene Geltung, welche den beiden ersten der genannten Erregungsarten zu Theil geworden, hat sich die dritte derselben noch nicht erringen können ; in der That ist die Annahme von der Anwesenheit eines besondern automatischen Reizungsapparates nur darum gemacht worden, weil man durch sie am bequemsten den Tonus erklären kann, in welchem sich die Ringmuskeln der Arterien für gewöhnlich zu befinden pflegen. Dieser tonische Erregungszustand kann aber auch aus der fortlaufenden Anwesenheit der Reflexe, beziehungs¬ weise aus ihrer Nachwirkung erklärt werden, ähnlich wie dieses seit Brondgeest mit dem Tonus der Sceletmuskeln zu geschehen pflegt. Wie es sich hiemit nun auch verhalten möge, jedenfalls sind die Nerven der Gefässmuskeln vor denjenigen vieler an¬ derer Muskeln dadurch ausgezeichnet, dass sie auf ihrem Ver¬ lauf durch das Rückenmark keinen Ort durchsetzen, von wel¬ chem sie in eine Erregung gebracht werden könnten ; denn es ist eine allgemein anerkannte Thatsache, dass nach der Durch¬ schneidung des Rückenmarkes, die hinter dem Schnitt ent¬ springenden Gefässnerven ihren Tonus für immer einbüssen,