Studien über den Tetanus. 531 Vergiftung im Allgemeinen gleichfalls das eben beschriebene Ver¬ halten, nur bleiben hier die Tetani übermaximaler Reizungen bei hohen Reizfrequenzen lange Zeit hindurch niedriger als die der eben maximalen Reizungen. Erst in tiefen Vergiftungsstadien gleicht sich dieser Unterschied aus. Unmittelbar vor dem Einsetzen der Curarinlähmung geben alle Reizfrequenzen und Reizstärken bloss noch Anfangstetani, deren Höhe bei Verstärkung der Reizung bis zu einem bestimmten, bei weiterer Verstärkung der Reize gleich- bleibenden Maximum zunimmt. Dieses Maximum ist bei hohen Reizfrequenzen erheblich grösser als bei niedrigen. Die Lähmung erfolgt (sicher wenigstens beim Frosch) für Einzelreize und sehr niedrige Reizfrequenzen früher als für frequente Reize. Im Laufe der Ermüdung geben starke frequente Reizungen sehr bald Anfangstetani, während entsprechend schwächere Reize derselben Frequenz noch während der ganzen Reizdauer anhaltende Tetani auslösen, die meist beträchtlich höher sind als die Anfangs¬ tetani der starken Reizungen. Wie besondere Controlversuche zeigen, werden die beschriebenen Unterschiede zwischen starken und schwachen Reizungen nicht etwa durch die unbeabsichtigte Einmischung der Schliessungsinductions- ströme bei Verstärkung der Reizung bedingt, sie haben auch nichts mit der Fick’sehen Lücke zu thun, sondern sie stehen offenbar in Zusammenhang mit der mehrfach beobachteten Thatsache, dass bei sehr frequenter Nervenreizung je nach der Stromstärke nur ein bestimmter Bruchtheil der Reize eine Erregung im Muskel auslöst (Wedensky’s „Transformation“ der Erregungswellen im Nerven- endorgan). Citirte Literatur. 1868. F. Bidder, Beobachtungen an curaresierten Fröschen. Du Bois’ Arch. S. 598. 1870. A. Vulpian, Expérience relative à la théorie de Faction physiologique du curare. Arch, de physiol, p. 171. 1875. J. Bernstein, Ueber die Höhe des Muskeltones bei elektrischer und chemischer Reizung. Dieses Archiv Bd. 11S. 191. 1876. E. Tiegel, Weitere Untersuchungen über die Wirkung einzelner In- ductionsschläge auf den Skelettmuskel und seinen Nerven. Dieses Archiv Bd. 13 S. 272.