Automatische Erregungen. 307 nämlichen Blutveränderungen zugrunde. Man nimmt gewöhnlich an, daß es sich in beiden Fällen um Erregungen handle, die nicht, wie bei der Atmung, infolge der Selbstregulierung der Reizung rhythmisch auf- und abwogen, sondern um solche, die dauernd in gleichmäßiger Größe anhal- ten. Dies wird daraus gefolgert, daß Trennung der Hemmungsnerven des Herzens, der Vagusstämme, den Herzschlag dauernd beschleunigt, und daß Trennung der Gefäßnerven eine bleibende Erweiterung der kleinen Arterien herbeiführt. Aber diese Tatsachen schließen nicht aus, daß die automatische Erregung in beiden Fällen zwischen gewissen Grenzen auf- und abschwanke. In der Tat sprechen hierfür mehrere Erscheinungen, wie die abwechselnden Verengerungen und Erweiterungen, die man an den Arterien beobachtet, und die meist nach Durchschneidung der Nerven verschwinden, ferner der Zusammenhang der Pulsfrequenz mit der Atmung, der zwar teilweise, wie wir gesehen haben, von den Volumänderungen der Lunge abhängt und durch Reflex sich erklärt, zum Teil aber noch auf einen andern Ursprung hinweist, da längerer Stillstand der Atmung, mag er in In- oder Exspirationsstellung erfolgen, auch das Herz zum Stillstände bringt. Beim Erstickungstod tritt ferner regelmäßig neben starker Er¬ regung der Inspirationsmuskeln Verengerung der Blutgefäße und Hem¬ mung des Herzschlags ein. Hiernach ist zu vermuten, daß die auto¬ matische Reizung aller jener Zentren der medulla oblongata auf analogen Blutveränderungen beruht. Die beobachteten Verschiedenheiten können leicht in den Verhältnissen der peripheren Nervenendigungen ihren Grund haben, da das Inspirationszentrum mit gewöhnlichen motorischen Nerven in Verbindung steht, denen gegenüber Herz und Blutgefäße sich durch die Selbständigkeit ihrer peripheren Innervationen auszeichnen. Von allen Nerven getrennt, pulsiert das Herz, wenn auch in geändertem Rhythmus, fort, und bleibt die Gefäßwandung wechselnder Verengerungen und Er¬ weiterungen fähig. Die Ursachen, welche diese peripheren Erregungen bestimmen, sind aber wahrscheinlich denjenigen ähnlich, die im verlänger¬ ten Mark der Atmungsinnervation zugrunde liegen, und gleich diesen aus automatischen und reflektorischen Vorgängen zusammengesetzt, wobei der rhythmische Verlauf am Herzen und das Gleichgewicht zwischen Erregung und Hemmung an den Gefäßen ebenfalls durch irgend welche Selbstre¬ gulierungen zustande kommen. Atmungs-, Herz- und Gefäßinnervation stehen demnach wahrscheinlich insofern in Beziehung zu einander, als die automatischen Erregungen, aus denen sie entspringen, auf die näm¬ liche Quelle zurückleiten. Die Zentren dieser Bewegungen bieten, wie es scheint, den inneren Reizen besonders günstige Angriffspunkte, denn kein anderes Zentralgebiet reagiert so empfindlich wie dieses auf Schwan¬ kungen der Blutbeschaffenheit. Bei den übrigen Teilen des zentralen