539 (Aus dem physiologischen Institut zu Königsberg i. Pr.) üeber Rheo-Tachy graphie. Ein Verfahren zur graphischen Registrirung schneller electrischer Vorgänge. Yon Ij. Hermann. Nachdem die Grundgesetze der electrischen Wirkungen einiger thierischen Gebilde (Muskeln, Nerven, Drüsen) erkannt sind, macht sich, wie auf vielen anderen Gebieten der Physiologie, mehr und mehr das Bedilrfniss graphischer Aufzeichnung der Vorgänge gel¬ tend, welche durch Verfeinerung der Beobachtung neue Fragen zu stellen gestattet. Die Schwierigkeiten dieser Aufgabe sind aber auf dem Gebiete der thierischen Electricität ganz besonders gross. Jede Art von Graphik beruht auf der Umwandlung der beobach¬ teten Veränderung in eine ihr zeitlich genau parallelgehende B e- wegung; der Magnet aber, welchen der Strom bewegt, vermag den Veränderungen des Stromes nur höchst unvollkommen zu fol¬ gen. Die Aufzeichnung der Magnetbewegung würde im Uebri- gen keine Schwierigkeiten bieten. Meine Bemühungen im Gebiete der Rheographie reichen bis in die Zeit zurück, wo die Anwendung des Capillarelectrometers zu solchen Zwecken noch unbekannt war. Als namentlich Ma- rey J), sowie Sanderson und Page1 2) das sinnreiche und ein¬ fache Lippmann’sche Instrument in höchst erfolgreicher Weise zur graphischen Darstellung so schneller Vorgänge wie die In- ductionsströme, die Entladungen des Zitterrochens und die Actions¬ ströme des Herzens verwandten, schien die Aufgabe gelöst, und ein zugleich schneller und aperiodischer Apparat, wie geschaffen zur photographischen Registrirung, gefunden. Gelang es doch 1) Travaux du laboratoire de Marey. Bd. 3 (1877), S. 33. 2) Journ. of physiol. Bd. 4, S. 327. 1883.