Anordnung und Bau der Schlagadem. 9 Wenn man von diesen Gesichtspunkten aus an die Betrachtung der Arterien- arlornalien geht, so sieht man, dass dieselben in ihrer Entstehung einer gewissen Gesetzmässigkeit unterliegen und durchaus nicht so regellos und unbestimmt sind, wie es bei der oberflächlichen Betrachtung nur einzelner Formen scheinen könnte. Auch Veränderungen des Kalibers, welche wesentlich von der Zahl der ab- gehenden Aeste und der Grösse des Verbreitungsbezirkes des Stammes abhängig sind, sowie Aenderungcn der Lage erklären sich von den besprochenen Gesichts- punkten aus leicht. Hält man sich die auseinandergesetzten Verhältnisse vor Augen, so ist eine Betrachtung aller bei den verschiedenen Arterien vorkommenden Abweichungen Ilnnöthig und es genügt die Angabe der wichtigeren derselben. Die Wendungen der Schlagadern sind, wie oben angedeutet, um ein Be- trächtliches dicker, als diejenigen der gleich grossen Blutadern. Dieser Dicke der Wandung, welche hauptsächlich auf einer stärkeren Entwicklung der mitt- leren Schichte beruht, verdanken die Schlagadern die Eigenschaft, dass sie bei ihrer Entleerung oder beim Anschneiden nicht zusammenfallen, sondern dass sie ihr Lumen, wenn auch in verminderter Ausdehnung, beibehalten, Während sich unter gleichen Bedingungen die Wendungen der Blutadern aneinander legen und so das Lumen dieser Gefässe verschwindet, falls nicht zufällig durch Befestigun- gen an ihrer Umgebung die Wandungen in ihrer Lage erhalten werden. Die Dicke der Wandung nimmt bei den Arterien im Allgemeinen mit der Grösse der Gefasse zu, allein nicht in dem gleichen Maasse wie diese; es ist demnach die Wand eines doppelt so weiten Geiässes nicht auch doppelt so dick. Bei dieser Dickenzunahme betheiligen sich ausserdem nicht alle Elemente der Wand in gleicher Weise, ja einzelne Elemente nehmen verhältnissmässig bei der Dickenzunahme ab; dies ist namentlich bei den Muskelelementen der Fall, Welehe zu Gunsten der in Zunahme begriffenen elastischen Fasern mit dem Wach- seil der Gefässe relativ an Menge abnehmen. Au den meisten Körperabtheilungen sind die Arterien in bindegewebige Schei- den eingehüllt und ihre äussere Fläche ist durch lockeres Bindegewebe mit ihnen Verbunden; allein diese Verbindung ist so lose, dass, wenn ein Gefass durch- sehnitten wird, es sich ziemlich weit in seine Scheide zurückzieht. In vielen Fällen umschliesst die Scheide nicht allein die Arterie, sondern zugleich auch noeh andere Gebilde, namentlich Blutadern und Nerven. Eine Anzahl von Ar- terien: Wie namentlich die Gefasse in der Schädelhöhle, entbehren der Scheiden. Abgesehen von diesen Scheiden lassen sich an allen Arterien die oben ange- gebenen Schichten nachweisen. Als tnnica intime. (Innenhaut) bezeichnet man das mit der elastischen Innen- imut (Kölliker) verbundene Endothelrohr, welche beiden Theile sich zusammen "f Ferln feiner, farbloser, durschscheinender, elastischer, aber leicht in der Quer- Tlßhtung zerreissbarer Membranen von der inneren Seite der Gefässe in kurzen Stüekchen ablösen lassen. Unter dem Mikroskope lassen diese Stückchen die beiden Ifesen erkennen, aus welchen sie bestehen. Das Endothelrohr ist aus einer einfachen Lage spindelförmigcr oder mehr polygonaler, unregelmässiger, meist lang äisireßkter Zellen zusammengesetzt; dieselben besitzen rundliche oder längliche emer Welche jedoch häufig undeutlich sind, so dass in vielen Fällen diese innerste