28 Aeussere Körperform. Form ergänzen und vervollständigen und so eine grössere Abrundung in ihr her- vorbringen. Die grösste Zahl der Säugethiere trägt ihren Körper auf die vier Extremitäten gestützt, und diese ruhen wiederum vorzugsweise auf ihren peri- pherischsten Abtheilungen, den Zehen. Dadurch kommt jede einzelne Extremi- tät nur in geringerAusdehnung mit dem Boden in Berührung und trotzdem ist der Körper mit grosser Sicherheit gestützt. Bei dieser Einrichtung nimmt der Stamm des Körpers im Ganzen eine mehr horizontale Richtung ein, während er selbst gewölbartig, mit der Convexität nach aufwärts, gekrümmt ist. Diese Wölbung der Wirbelsäule, der Hauptstütze des Rumpfes, ist nicht angeboren, sondern erworben. Die Anfangs nahezu gerade Wirbelsäule wird bei den beginnen- den Gehbewegungen zur Unterstützung der Belastung durch die Eingeweide will- kürlich gekrümmt und nimmt dann erst nach und nach die gekrümmte Gestalt dauernd an. Die Stützpunkte für das Gewölbe entsprechen den Anheftungsstel- len der Extremitäten, so dass Hals- und Schwanzwirbelsäule über dieselben hinausragen. Der Kopf, mit meist stark'entwickeltem, vor dem Gehirntheile hervorragendem Gesichte, ist sammt der Halswirbelsäule an das vordere Ende des Gewölbes durch starke Bandapparate befestigt, wodurch dieses stärker be- lastet erscheint. Die Extremitäten zeigen Winkelstellungen ihrer einzelnen Ab- theilungen, welche die Unterstützung des Rumpfgewölbes erleichtern. Der Rumpf selbst, resp. der Brustkorb, dient als Stütze einer Anzahl von Eingeweiden und überträgt dann seine Belastung auf die Wirbelsäule; er selbst besitzt eine ovale Gestalt mit nach unten gerichteter Spitze und grösster Ausdehnung in der Rich- tung von oben nach unten; er dehnt _sich um so mehr in die Länge aus, je grösser die Belastung der hinteren Abtheilungen wird. Die dem Menschen in ihrer Organisation zunächst stehenden Affen, deren Körper zeitweise in mehr vertikaler Richtung gehalten wird, zeigen schon eine Anzahl von Verschie- denheiten von diesem Typus; der Gesichtstheil des Kopfes ist schon lange nicht mehr so stark in die Länge entwickelt, er überragt den Gehirntheil bei Weitem nicht mehr so weit nach vornen hin; der Rumpf verliert die gewölbartige Krüm- mung, er erscheint abgerundeter dadurch, dass er mehr in die Quere entwickelt ist; der Bandapparat zwischen Kopf und Wirbelsäule ist schwächer; die Extre- mitäten ruhen in grosser Ausdehnung auf dem Boden und bieten so im Einzel- nen grössere Stiitzllächen dar. Allein immer noch zeichnet sich der Mensch durch eine Anzahl von Eigen- thümlichkeiten in Körperform und Körperhaltung auch vor diesen ihm am näch- sten stehenden Thieren in hervorragender Weise aus. Alle diese besonderen Eigenthümlichkeiten resultiren wesentlich aus der vorwiegenden Entwicklung seines Gehirnschädels und der in der Regel aufrechten Haltung seines Körpers. Wie bei den Säugethieren, so auch bei dem Menschen ist die Wirbelsäule ursprünglich nahezu gerade und diejenige Form, welche beim Erwachsenen ge- funden wird, ist gleichfalls nicht angeboren, sondern erworben. Die aufrechte Haltung bedingt nicht nur die eigenthümlich gebogene Gestalt der Wirbelsäule, sie bedingt auch eine ganz besondere Art der Stellung und der Bildung der. Beine, welche beim aufrechten Gang allein den Körper tragen. Durch lgtzteren Umstand erreicht der menschliche Körper einen Vortheil vor allen 'l'hieren, weil dadurch die vorderen Extremitäten eine viel vollkommenere Ausbildung er- langen und ihnen eine freiereBewegung gestattet ist; sie können zu einer gros-