Erster Abschnitt. Aeussere Körperform. Corporis Iigura atque habitus. Allgemeine Betrachtung. Der Mensch, das höchst entwickelte Glied der gesammten Thicrreihe, zeigt in seiner Organisation eine Anzahl von Eigenthümlichkeiten, welche den anderen Gliedern dieser Reihe entweder gar nicht oder nur in viel geringerem Grade zukommen. Diese Eigenthiimlichkeitem treten zum Theil an inneren Or- ganen auf , zum Theil documentiren sie sich aber auch an der äusseren Kör- perform. Die Entwicklung der letzteren ist in sehr vielen Beziehungen sogar direkt abhängig von der Ausbildung der ersteren. In den meisten ]i'ällen be- einflussen sich Ausbildung innerer Organe und äussere Körperform gegenseitig. Vor allen anderen Eigenschaften sind es die intellectuellen, geistigen Fähig- keiten , wodurch der Mensch selbst die ihm zunächst stehenden Vertreter der 'l'hierreihe bedeutend überragt. Freilich entwickeln sich diese erst allmählich und bedürfen sehr der Ausbildung durch äussere Einwirkungen; ja das neugeborene Kind ist bis zu einem gewissen Grade hüliloser und schutzbediirftiger, als das neugeborene 'I'l_1ier; es theilt mit ihm den 'l'rieb nach Nahrung, entwickelt aber nicht so rasch, wie das Thier, eine instinctive Geschicklichkeit, welche seine un- abhängige Existenz ermöglicht. Trotzdem ist die Anlage zu höherer geistiger Entwicklung schon bei der Geburt vorhanden, und das Organ unseres Geistes, das Gehirn, zeigt schon zu jener Zeit einen hohen Grad der Ausbildung und beeinflusst Wesentlich die Gestaltung unseres Kopfes. Sämmtliche Menschen, zeigen eine grosse Uebereinstimmung ihrer Organi- sation; allein eine grosse Mannigfaltigkeit findet sich in den Einzelverhältnissen der über die Erde verbreiteten Stämme. Diese Verschiedenheiten sind theils durch das Klima, durch die Nahrungsweise, durch die Beschäftigungen und Ge- wohnheiten bedingt, theils beruhen sie auf durch Jahrtausende hindurch ent- wickelten typischen Einlliissen; sie machen sich sowohl in Bezug auf die gei- stigen, wie auf die körperlichen Eigenschaften geltend. Stämme mit hoher geistiger Entwicklung, grosser Bildungsfahigkeit und Intelligenz, bei denen auch die äusseren Formen in der Regel eine gleichmässigere und edlere Ausbildung zeigen, stehen anderen Stämmen gegenüber, deren mehr thierischc, sinnliche Neigungen meist auch in weniger schön gebildetem Körper ihre Wohnstätte haben. Man unterscheidet auf diese Weise eine Anzahl von Haupttypen , welche sich durch gewisse Eigenthümlichkeiten der Körperformen leicht abgrenzen lassen, und bezeichnet sie als die verschiedenen Menschenracen. Bei diesen Haupt-