THIQONSÄX.XL uns PALAZZO (lw FARELLI IN R0 M. SKIZZE. ruht. Seine Gestalten sind nur örtliche und zeitliche Verschiedenheiten derselben Himmelsgottheit! Und hier finden wir auch die Lösung eines der sonderbarsten Rätsel in_ der Germanengeschichte. Der deutsche Mythos steht sittlich weit über dem antiken, soviel formenvoller, reicher und reifer auch dieser durch sein höheres Alter und die früher gelöste Kulturaufgabe der Hellenen und Römer ausgebildet ist, er hätte zweifellos noch eine unabsehhare Zukunft bei ruhigem Auswachsen gehabt. Er unterliegt jedoch in seinem Wachstum dem Zusammenstoss mit dem christlichen Rom und Byzanz, und seltsamerweise unterwirft sich dies trotzige' Volk dem Christentum so völlig, dass es fast 1000 Jahre lang seinen angestammten Mythos bis auf die Sagenreste innerhalb des niederen Volkes überhaupt vergass. Unendliche Zeiten hin- durch ist fast jede Kunde von den alten Göttern verstummt; kaum zum zweiten Male kann man bei einem grossen Kulturvolk die gleiche Erscheinung beachten; der Lateiner hat nie seinen Olymp vergessen; der Deutsche eignet sich das Christentum auf Kosten seines Mythos so ganz an, dass er bei gegebenem social- politischem Anlass die vertiefende Reformation bei sich hervorruft. Und das geschieht, währenddas Volk sonst überall streng an seiner Eigenart festhielt: des Rätsels Lösung liegt darin, dass das Christentum mit seiner Eingöttlichkeit und Liebeslehre nur die höhere Form des seelenvollen germanischen Monotheismus scheint, dass es dessen wahrscheinliche Entwickelung einfach vorwegnahm! Fast ein Jahrtausend lang verschwindet also die alte Götterwelt aus den Gedanken der Menschen, dunkle Erinnerungen leben noch spärlich fort, die Namen der Asen sind fast vergessen und flattern nur noch als die von Spukgeistern durch die Spinnstuben hier und da. Die Geschichte geht ihren bewegten Gang. Verhängnisvolle Schicksale, Erbeigentümlichkeiten, politische Fehler von einst lassen Deutschland als Staatskörper dahinsiechen und nur das kraftvolle Mark des Volkes verhindert den Untergang. Die grosse Vergangenheit blasst in den Herzen, der nationale Gedanke der Karolinger, Ottonen, Stauffen sinkt in Vergessenheit nur verborgene Keime regen sich noch und wieder Seltsames ereignet sich jetzt: in höchster Not unter korsischem Kanonendonner erwacht nach langer Zeit plötzlich in lechzender Sehnsucht das Nationalgefühl an der Schwelle unseres Jahrhunderts regt sich der alte Mythos dunkel in Kunst und Dichtung der Romantiker von neuem entdeckt wird er fast mit einem Male in einer neuen Wissenschaft durch einen Mann und als köstliches Gut fallen dem Deutschen jetzt plötzlich