DER PALAZZO (lxr 1x Rom. GARTENSE 200 Jahre lang überflutet es danach die lateinischen Lande, auf welche immer wie auf eineNVunder- welt bezaubert geschaut hat, es schafft Staaten und Kulturen im Süden, ohne ernstlich seine Art zu verlieren, ja, den begabtesten Stämmen, wie den Ostgoten z. B., giebt erst die Fremde eine heimatliche Schrift- und Litteratursprache. Zurückgeworfen und zurückgekehrt aber erlebt dies vielstämmige Volk in eigentlich kurzer Zeit seine erste Kulturblüte und Weltmachtrolle. Es hatte in der Fremde seine un- gebrochenen Kräfte an Leib und Seele durch Aufnahme des Lateinischen nur gesteigert und sein Auge nur weitsichtiger gemacht. Schwer, gründlich, ernst, phantasievoll in seinem Wesen, scheint der Germane zu zäher Sesshaftig- keit geschaffen; und doch hat er sein ganzes Jugendalter hindurch mit einer treibenden Unruhe gekämpft; ein wanderfrohes Volk wie kein zweites sind ja die Deutschen als Einzelne auch heute noch. Gleich Ungarn, Hunnen, Polen, nur im bedächtigeren Schritt als diese Reitervölker, zog der Germane durch Germanien, NVest-, Süd-, Osteuropa, Nordafrika einst, Weib und Kind auf schwerfälligen Ochsenwagen, seine Waffen am Körper, die Götter im Herzen, Schlachten- und Heldengesänge auf den Lippen. Bedürfnislos nach aussen lernt der Germane erst in der Fremde den Wert ummauerter Sitze kennen und schätzen, er führt ein vollkommenes Naturleben, sein Göttermythos ist nahezu sein einziges geistiges und seelisches Gut. Dieser mächtige Mythos aber! Aus Naturoffenbarungen aufgebaut und wenig über sie hinaus- gekommen verrät er Zug um Zug die ungebändigte Kraft des Volkes und eine starke Phantasie, so un- gelenk und stammelnd auch der Ausdruck derselben ist. Daneben aber weht uns überall eine seelenvolle Innigkeit aus ihm an, und noch etwas dazu, was heute mit einer gewissen Grösse zu uns spricht: der Monotheismus nämlich, auf dem nach der neueren Forschung der germanisch-nordische Mythos eigentlich