Der französische Gartenstyl. Motive zu den bei Lenötre neu auftretenden Sternalleen, Kanälen, ellip- tischen Treppenaufgängen und eigenthümlichen Lineamenten der Bassins und der Caseaden enthalten, auch aufserordentlieh viel Heckenwerk be- sitzen, spricht dafür, dal's Lenötre aus italienischen Vorbildern geschöpft hat. Er verarbeitete nur die Formen mehr i1n französischen Renaissance- nnd Ruccocustyl, und hat durch Beseitigung alles Kleinlichen, wie durch ausgedehnte Gröfsenverhältnisse, seinen Werken den Stempel der Grofs- artigkeit aufgedrückt. Er fand aufserordentlieh viel Abgesehmacktheiten in den französischen Gärten vor, welche zu beseitigen waren, denn Frankreich hatte alle Ver- irrungen der italienischen Gartenkunst aufgenommen und zum Theil noch gesteigert. Es war daher auch der französische Gartenstyl und der Zustand der französischen Gärten um die Mitte des 17. Jahr- Bühne so eingerichtet war, dafs aus leichten Brettern geschnittene Fi- hunderts dem Italiens sehr ähnlich; die Gärten waren mit Gegenständen guren, die von darunter stehenden Personen regiert wurden, sich darauf überfüllt, welche dem Besucher von den witzigen und launenhaften Ein- bewegten, und die Personen statt ihrer sprachen und sangen. fällen des Besitzers Kenntnifs geben und Ueberraschung und Verwunderung Nicht viel besser war es mit der Architektur bestellt. Nachdem abnöthigen sollten. Von einer nach ästhetischen Grundsätzen geschehenen die italienische Baukunst bereits im Anfange des 16. Jahrhunderts ihren Anordnung war nirgends etwas zu entdecken. Einflufs auf Frankreich geltend gemacht, und italienische Architektenit) In dieser Rücksicht giebt uns Evelyn, welcher den Garten der Tui- in der Ausbildung der französischen Renaissance thätig gewesen, bildete lerien, St. Germain, Cardinal Richelielrs Villa zu Ruell, die Gärten des sich unter Heinrich IV. und Ludwig XIII. in der zweiten Hälfte des Luxembourg, den Palast des Grafen Liancourt u. m. a. im Jahre 1644 16. und Ende des 17. Jahrhunderts der französische Baroque- und Roccoco- besuchte, sehr schatzbare Notizen. nDer Garten der Tuilerien bemerkt stylit) aus in welchem die inneren und äufseren Gesetze der architektoni- er ist vortrefflich für Einsamkeit, Schatten und Geselligkeit angelegt, sehen Formen ganz unberücksichtigt zu sein scheinen, und allerhand wegen seiner Haine und grofsen Baume, besonders derjenigen in der Mitte, Willkürlichkeiten in deren Behandlung vorkommen. Hohe Dächer, thurm- der Ulmen und Maulbeeren. Es ist hier ein Labyrinth von Cypressen, artige Schornsteine, eine gewisse Selbstständigkeit und Unabhängigkeit des Granathecken, Spüngbrunnen, Fischweihern und einem Vogelhause. Ein Ornarnentes in dem Vorwalten und der Formbildung desselben gegen den künstliches Echo wiederholt die Worte deutlich, nie fehlt es an einer architektonischen Organismus des Ganzen, gekrümmte Linien im Grund- schönen singenden Nymphe dasclbst. Steht man auf der rechten Stelle risse und in der Ansicht, Schnörkel, Muscheln, Blumen- und Frucht- unter einem Baume, so meint man die Stimme stiege aus den Wolken gewinde, verkröpfte Säulen, Pilaster und Gesimse, letztere auch vielfach herab; auf einer andern scheint sie aus der Erde hervorzutönen. In einer unterbrochen, bilden das Wesen dieser Bauart, deren ornamentale Elemente andern Abtheilung des Gartens sind eine unvergleichliche Orangerie, kiinst- mit den entsprechenden Modifikationen auch auf die Gartenpartieen über- liche Sträucher und seltene Früchte, gleich als wäre man im Paradies. a tragen wurden. Hohe beschnittene Hainbuchenhecken Alleen und Schirme von Durch die von Lenötre für den prachtliebenden König Ludwig XIV. künstlich beschnit- (in den Jahren tenen Bäumen ge" 1654 bis 1700) bildet nach l ausgeführten Gär- Grotten führende PTT ten war der An- Kanäle in den K, i. P17- stofs zur Reform Alleen Casca- p V der geometrischen den, die aus einer im } Gartenkunst nicht (Motte oder Mw ß i'll "i nur in Frankreidh schel sich herab- 1 Sondern auch in wurde "'"1Gr'm "manche" EIIIOPa luassen schnei- gegeben. Lenötres dende Statuen 9 erstes bemerkens- 3st Hausem fur h! X X werthes Werkgwai assemgel b" f w i; 41650 ms im) setzte Felseniuseln a. H; ' der Garten des in regelmäfsigen .7 w: "l Finanzministers Teichen Wasser lt M" Miätqtiiinutttuttntti[lmmmmmtl .114 illllll" ilmwli" Fouquet zu Vaux speiende Unge- M 3;? welcher mit seinen heuer in Grotten Verzierungen dem und Beim ge- beuge S0 übriges räumige Galerien gefiel, saß, el-Le- mit Grotten und Fig_ i; nötre zum Auf- Felsenstücken un- seher seiner Gär- ter den Terrassen, auf welche allerhand theatralische, zum Theil durch ten und zum General-Üontroleur seiner Gebäude machte und ihn mit Ge- Wasser in Bewegung gesetzte Figuren gemalt oder darauf angebracht schenken und Ehrenbezreigungen überhäufte. Der vordere Thcil dieses waren, wie z. B. Orpheus mit der Musik und den Thieren, welche nach Gartens ist in der Skizze Fig. (3 hier dargestellt. seiner Harfe tanzen sogenannte Irrgärten, die der Ilnkundige nach In den von Lenötre entworfenen und den nach seinen Vorbildern dem ersten Besuche nie wieder betreten mogte Bänke, die in dem angelegten Gärten blieben jene albernen Spielereien fort und ging das Augenblick zu zerbrechen drohten, wo man sich kaum darauf gesetzt, Bestreben vorzüglich dahin, vom Schlosse aus durch grofsartigci streng oder wo der sich Sctzende von einem jänimerlirelien Katzengeschrci auf- architektonische Prospekte zu wirken, während die Alleen wie Galerieen, geschreckt, oder von einer Menge von Wasser-strahlen über und über und die einzelnen von hohen beschnittenen Buchenhecken (Wänden) benäfst wurde und dergleichen Dinge mehr waren die Bestandtheile und Ergötzlichkeiten des Gartens. In dem Garten des Cardinals Richelieu g U10 b_ VHS J befanden sich sogar unter den Vexirwassern Musketiere. die den Vor- nehme. t iormglmh P'e"e Lesmt i- ß N L ean Bnkam "nd phmbe" übergehenden mit Wasser beschossen" und in dem Garten das Grafen w) Die Ausbildung des Roecorostyles wurde besonders beeintlnfst durch die Liancourt war ein Theater mit Scenenveränderung angebracht, wo die Architekten Frauoesno Rnrmmini und Lorenzo Berniili.