Wolken stehen, riesenhafte Gestalten plötzlich an ihnen emporklimmen oder von ihren Vorspriingen sich abstoszend inls Blaue hinein der Sonne entgegensdJweben, das erblicken wir hier; und gegens über ai1f der anderen Seite, als hangten sich an die dort zu demselben Lichte Hinaufdringenden eisenschwere, teuflische Mächte und zögen sie zurück in den Abgrund. Man sieht es sticht, aber eine unendliche Tiefe scheint sich aufzuthun, über der sie verzweifelt ihre letzten Kräfte anstrengen. Weltberiihmt ist diese Schlacht der Verdammten und der Teufel. Dinge sind hier dargestellt, die sich nicht beschreiben lassen. Und ebenso schaurig darunter, wie Charon seinen vollen Nachen ausschiittet. Als leerte er einen Sack mit Mausen, so läßt er die liedrangte Schaar der UngIiicklichen hjnabspringen in die aufsehlagenden HflciIIiit1e11 und den Qualm. Er steht an der Spitze des J3ahrzeuges. Mit dem Fuße an den vorderen Rand tretend bringt er es zum Rippen und schlagt mit erhobenem Ruder noch in das Gewimmel, das sich festzuklammern sucht und vor dem Sprunge in die Tiefe zuriickbebt. Dante beschreibt, wie Charon sie zur Fahrt in den Kahn hineintreibt, hier ist die ,fortsetzung des Gesanges gegeben, die Jlnkunft. Noch größeres Erbarmen als die in der Luft darüber mit den Teufeln sich Balgenden flöszen diese hier ein. Denn oben ist die Entscheidung doch noch hinausgeriickt, eine Möglichkeit des Loswindens bleibt: hier aber ist Alles verloren. Und die Seelenangst, mit der die Elenden es empfinden, ist dargestellt von Michelangelo, als hatte Dante neben ihm gestanden und seinen Geist ihnt eingehaucht. Doch dies gilt von Michelangelo.s ganzer Kunst. Dem, der Dante kennt, müssen seine Arbeiten wie die zweite Offenbarung desselben Genius erscheinen. Dante schuf, indem er die Gestalten des heidnischen 2llterthums zu feinem christlichen GottermiJthus umschmiedete, eine neue Welt fiir die romantischen Völker. Das vorher mckstisih Verschwimmende begabte er mit festerem Leibe, Himmel und Erde baute er neu auf. Aber immer nur I1och für die Phantasie, bis Micheli angelo kam und den s1ieszenden Strom der Verse zu Gestalten gefrieren ließ. Jetzt erst besassen sie volle Sichtbarkeit. Raphael trat hier doch nur in Michelangelols Ji1IZ1ic1pfcsI1, und alle die folgenden Meister unterwarfen sich ihm. Von nun an gab es feste Bilder fiir Gottvater, Christus, Maria und die unendlichen Heiligen, von denen wir heute noch den Himmel der ron1anischen Völker erfüllt sehen. Die Menge, die in den Kirchen glaubigen Sinnes zu diesen Gestalten emporblickt, ahnt nicht, daß diese vor wenigen Jahrhunderten erst durch die Willkür weniger Künstler so geschaffen wurden, und daß die Statuen der antiken Heiden ebensosehr als die Natur zu dieser Schöpfung beigetragen haben. Gerade durch das jüngste Gericht ward dieser neuen Generation himmlischer Gestalten der leZte Stempel ausgedrückt. Das Ungeheure kam in die Leiber hinein, das gewaltig Muskulöse, das in der Folge dann unzählige Mal nachgeahnit ward. Es ist erstaunlich, wie Michelangelo trotz dieser Schwerfälligkeit des körperlichen, das sich oft in7s unbehiilflich Volle zu verlieren scheint, dennoch so viel erreichte. Denn keine Spur des zart i2letherischen findet sich hier, das unserem Gefühl nach der Hiille eines abgeschiedenen Geistes nicht fehlen dürfte, wenn durchaus denn einmal eine solche Hülle dargestellt werden soll. Dem Deutschen Geiste widerstrebt es, das in fester, bildlicher Gestaltung zu erblicken, was sich in Gedanken nicht einmal erreichen laßt. Nur i2lhnungen, die wie der Himmel über uns je