72 Meister der Farbe. sich aufzunehmen, ohne viel gearbeitet zu haben, weil er glaubte, daß man nur den Geist auszufüllen braucht, um etwas Gutes machen zu können. Er ist aber später etwas davon zurückgekommen, als er sah, daß die Hand auch geübt werden mußte, um malen und zeichnen zu können. Jetzt ist er sehr fleißig und hat auch schon mehrere sehr schöne Bilder gemalt, die Aufsehen erregt haben; er wählt immer ganz wilde aber großartige Natur, was bei ihm ganz aus der Seele kommt, man kann seine Bilder auch schon aus seinem Gesichte lesen. Er trägt einen großen Bart und hat eine schlanke, große sigur, früher war er ein ungeheuerer Kommersbruder und Renommist, was ietzt aber gar nicht mehr der salI ist, jetzt ist er ein höchst interessante:-, gemütvoller Mensch im Umgang, der gern vergnügt unter seinen sreunden ist und besonders viel dazu beitragen kann, daß sie es auch sind, weil er so ganz ausgezeichnet schön singt, besonders jodelt. Letzteres von ihm zu hören, ist wirklich zum Entzücken, ich habe noch nie so jodeln gehört. Das ist die Beschreibung meines Freundes Heinlein, der drei Häuser von mir wohnt und zu dem ich immer hinlaufe, wenn ich mich aussprechen muß. Mit ihm habe ich schon manchen schönen Spaziergang gemacht, wo wir die Natur angeschaut haben, die hier durchaus nicht häßlich ist, wie man mir früher immer sagte. Im Hinterg1-und hat man die Tiroler Alpen, vor diesen eine großartige släche von Hügeln mit Waldungen, zwischen welchen die reißende Jsar durchströmt; nach Nürnberg zu ist die Gegend freilich sehr uninteressant, da braucht man ja auch nicht hinzugehen.- , Der Brief klingt ziemlich melancholisch aus. Ärger über das ,,wüste Leben-, das man in München ,,führen muß, wo man auch nie Hoffnung hat, in einer netten Familie bekannt zu we:-den" und der Wunsch sich eine eigene Häuslichkeit zu begründen. In Luise von Lüneschloß, mit der sich Morgenstern im J-THIS J844 vermählt hat, fand er die Gefährtin, wie er sie sich gewünscht hat: ,,vor allen Dingen muß sie nicht dumm sein und wissen, was ein Künstler ist." Der Umschwung, der sich in Deutschland vorbereitet hat, spricht deutlich aus diesem Briefe Morgensterns. Die Verachtung des Handwerklichen, die auf Co:-nelius zurückgeht, beginnt zu schwinden, Heinlein begreift, daß es nicht genügt, den Geist mit Bildern zu füllen, daß die Hand die sähigkeit erringen muß, das Empfinden wiederzugeben. Und all- mählich setzt die Reaktion gegen Italien ein; es gilt wenigstens für den -Landschafter nicht mehr als das gelobte Land. NIorgensterns Liebe zu der ihm bekannten Natur hat ihren Niederschlag in Bildern aus den di-eisiger Jahren gefunden. Prägnanter hat er mit dem Pinsel ausgedrückt, was er hier in Worte einzukleiden sucht. Sckaasqehek ans verantwortliche Reduktion- S. Z. see!-tu.nm, l1eloZlq, sue!-sit. is. VI-ad( von crust seen-Ich llacktf., S.aI.h. ö., ltslptls. It-act( des- for-bet1tqIelts von Essig! I Saales- Z(-old-tun.