hier vor allem den Manen Reinhold Begas" geopfert und den gesamten Nach- laß des Heimgegangenen vorgeführt. Aber es zeigt sich, daß diese Anhäufung von Bronzen, Marmorwerken, Gipsabgüssen und ModeUen mehr verwirrt als er- götzt. Gewiß haben die Hauptwerke nichts von ihrer saftigen, strotzenden Lebens- fülle eingebüßt; aber das Barockgetümmel der Bcgasscl)en Formenwelt wirkt in solchem Gedränge der Einzelarbeiten unbehaglich, und das Minderwertige, das der später von seinem N)ege abgedrängte Meister hervorgebracht, macht sich neben seinen genialen Würfen so breit, daß seinem Andenken damit wenig ge- nützt wird. Anders sieht es um die zweite Abteilung dieser akademischen Totenfeier, die Ludwig Knaus gewidmet ist und, sehr richtig, mehr den jungen als den alten Knaus, mehr den ersiaunlichen Farbenkünftler der fünfziger Jahre als den über- witzigen Anekdotenerzähler der Spätzeit berücksichtigt. Dabei sind aus verstreutem Besitz und aus dem Erbe der Familie Stücke zum Vorschein gEk0MMe"- dT21"2OM Feinschmecek aufs höchste mkzü.:kesi. Ade: man wird doch wieder me1sMcl)0!tscl7- wenn man bedenkt: wie eng und klein müssen die künstlerischen Zustände in Deutsch- land noch in der Epoche des gewaltigen nationalen Aufschwungs gewesen sein, wie schlimm steht es bei uns um die Sicherheit der malerischen Kultur, wenn ein so fabelhaftes Talent wie Knaus auf so peinliche Abwege geriet! Ob die preußische Regierung ein kluges Mittel zur Bekämpfung dieser Zustände fand, als sie, nach einer unwidersprochen gebliebenen Meldurig, ihre höchst Sigm- tümliche ,,Reform" des Kunscunterrichts ersann, ist mehr als zweifelhafts Während die Gesamtheit der Kunftfreunde im Lande den dem Univerfitätsbetrieb angeglichenen L,zochschulcharakter als einen Grundfehler unserer akademischen Bildungsanstalten betrachtet, wird zu allgemeiner Verwunderung eine neue Unter- ricl)tsordnung angekündigt, die das -3ochscbUlmäßige nun gar noch ausdrücklich betont und unterstreicht. Schon heute bestehen hier kaum glaubliche Vorschriften, die viel zu wenig bekannt sind. So z. B. die Forderung des Einjährigen-Zeug- nisses als Bedingung für die Ausnahme (die man jetzt, wie es heißt, durch die Forderung des Abiturientene;:amens noch ÜhMkUMPfen will!) was in quer Welt, so fragt man sich, hat die MittelsOUlbildung mit der künßlerischen Begabung zu tun, die hier einzig und allein den Ausschlag geben soUte:" Nichts, aber auch rein gar nichts! Es ist eine ganz falsche Basis- auf die der akademische Unterricht gestern wird. Das .5andwekkiiche, wird-Wiss das KUm?handwekktici)e muß hier das Fundament abgeben, nicht aber DE Nur ein völlig weltfremder Berater des Minijiers kann dies Unmögliche Projekt ent- worfen haben. O Die beste Tat aber, die der Berliner Kunst in jüngster Zeit geglückt ist, gehört der Architektur: es ist das zweite Rathaus der größten deutsdr)en Kommune, das ,,Stadthaus", wie man es getauft hat- LUdWkg 3.)0f"fMaI1UB gewaltiges Werk. In langer, liebevoJler Arbeit entstanden, die schönste Frucht einer BaumeisIer- phantasie, die aus Uberliefertem und U"iodernem schöpferiscl) ein selbstständig Neues I43