Schließlich erschien mitten in all diesen Erwägungen im Dezember zur rechten Zeit ein Buch, das, längst eine Notwendigkeit, endlich einmal die Beziehungen zwischen Kunst und Nationalökonomie wissenschaftlich untersucht und systematisch dax-sicut; ,,Die wissenschaftlichen Grundlagen der N7alkunst" von Dr. Paul Drey in einem Schüler Lujo .Brentanos. Ein vorzügliches Buch, das künftig niemand mehr entbehren kann, der sich, von welcher Ecke immer, mit künstlerischen Dingen he- schäftigen will! Der Verfasser analysiert darin mit der Gründlichkeit eines sorgsam informierten Forschers und reicher Kenntnis das Wesen und die Formen des Kunst- bedürfnisfes, das Wer-den des Kunstmarkts und Kunsthandels, die gesamten mate- riellen Grundlagen des Kunstberuss und ihre Wirkungen, den Erport und Jmport von Kunstprodukten in Deutschland und so fort, und kommt zu bestimmten, be- herzigenswerten Programmforderungen bezüglich der öffentlichen Kunstpf1ege, für die nicht entfernt ausreichend gesorgt ist, der Erziehung des Künstlernachwuchses, bei der l)andwerklicher und gewerblicher Unterricht den bestehenden -Zochschulbetrieb der 2lkademien regulieren müsse, der Propaganda jenseits unserer Grenzen (in deren Interesse neuerdings die ,,Gesellschast für Deutsche Kunst im Auslande--, bisher ohne nennenswerte Erfolge, tätig ist). Auch für die alte Forderung, den Künstlern einen Anteil am N)ertzuwachs ihrer LVerke nach dem Verkauf zu sichern, findet der Nationalökonom eine gute Formel, deren Verwirklichung freilich besseren Organi- sationen als den bestehenden anvertraut werden müßte. Die Intensität des deutschen Kunstlebens, die zur vertieften Betrachtung dieser Fragen führt, äußert sich nicht minder in der steigenden Energie, mit der seit einiger Zeit auch abseits von den alten Zentren lkünstlerischen Zielen zugeftrebt wird. Die Dezentralisationsbewegung, deren Zeugen wir sind, nimmt unaufhörlich an Kraft und Bedeutung zu. Na1nentlicl) der rheinische lVesten rückt neben dem von München beherrschten Süden und dem berlinischen Norden immer frohgen1uter zu einer eigenen Stellung auf. In Düsseldorf war dem konservativen N"talkastengeist durch die be- herzte ?lusßellung des ,,Sonderbundes westdeutscher Künstler und Kunstfreunde" ein nachdrückliches Paroli geboten. In Elbe:-feld gibt der schöne ,,Gerechtigkeits- brunnen" von Bernhard -5ötger, die Stiftung eines Kunstfreundes, Kunde von der internationalen neuen Strömung der modernen Plastik, für die Aristide N7aillol in Paris das Feldgeschrei ausgegeben hat. In Köln vertritt seit kurzem Tuaillons Reiter- bild Kaiser LVilhelms II., dem sich das Denkmal Kaiser Friedrichs von demselben Meisiei" zugesellen wird, von einer anderen Seite her den verjüngten Geist dJk ?-1"tonumentalbildnerei. Daß das verbrauchte Schema der realistiscl)M SMkUe fUV Denkmalszwecke mehr und mehr an Anhang verliert, bewies auch die Ausstellung der Konkurrenzentwürse zu einem Goethedenkmal in Chicag0,- die MUsV einer Jus- drücklichen Z5esiimmung des Wettbewerbs das P01'tVäks"tM1dVI1d Vermeiden "1IIi-Fen- 2llle diese freudigen Unterstützungen der lebendigen Gegenivartskunst finden freilich M den maßgebenden Kreisen des größten Bundesstaates -immer noch kein .Echeo. Die Preußische EisenbahnverwaltunS baF"e den K,0l"e1"U W? A11eUS sur die jene Reiterstatuen bestimmt sind, mit schcmatisch archaisierenden -rucl-enkopf-