das Schlechte will und stets das Gute schafft, hat ihm jedenfalls, gerufen oder nicht, mag dahingestellt sein - mit Rat und Tat ge- holfen. Kein Berliner hätte sich damals die Finger verbrennen wollen, eine Seeession zu gründen, die eine Unmasse Arbeit, sehr wenig Dank, dafür desto mehr Feindschaft einbringen mußte. Aber Akademik- direktor Anton von Werner half über alles Zagen mutig hinweg, indem er seinen großen Einfluß, seine nicht ganz gewöhnliche Intelli- genz und Energie aufwandte, den Antrag der zusammengescblossenen Berliner Künstler auf eigene Raume, eigene Juki) und .Hängekom- mission im Glaspalast am Lehrter Bahnhof zu Fall zu bringen. Es gelang ihm wie durch Zauberei, zu beweisen, daß das gegen des Königs Wort und Wille wäre. Daß die Jllustratoren tatsächlich ganz dasselbe erreichten, tut nichts zur Sache - des Königs Wille scheint danach zweier Auslegungen möglich. Die Künstler sind Gott sei es geklagt ein faules, bequemes, scheues Pack, das am liebsten in Ruhe gelassen sein will, und wenn es irgend angeht, krumm gerade sein läßt. Grund zur Beunruhi- gung war, weiß der Himmel, genug vorhanden. Die gute, alte All- gemeine Kunstgenossenschaft hatte ihre Unsähigkeit, eine wükdige Vertretung deutscher Kunst im Auslande zustande zu bringen, in Chicago und Paris so überzeugend dargetan, daß ein beschämendes Fiasko die selbstverständlich Folge war. Der Geruch, in dem die deutsche Kunst infolgedessen bei allen Ausländern steht, ist natur- gemäß kein angenehmer. Das merkte sogar die Regierung, und sie ging daran, wie es ihr mit Fug und Recht zukommt, die kommende Ausstelluug in St. Louis selbst in die Hand zu nehmen. Sie tat dies auf eine so klare, überzeugende und sachgemäße Weise, daß ein glück- licher Ausgang garantiert schien. Im preußischen Kultusministerium als Referent für Kunstangelegenheiten saß Geheimrat Müller, ein ungewöhnlich weitßcbtiger, vorurteilsloser Mann, der schon begriffen hatte, daß Uhde kein Anat-(hist sein müsse, weil er arme Leute male, daß Liebermann nicht Ehr-enmikglied der Sozialdemokratie, weil er das Leben der Arbeiter und Bauern niit künstlerisä)em Auge ansieht, daß diejenigen noch nichtRinnsteinkünstler genannt werden brauchen,