Meister der FAM- Bildern nachgelaufen und habe die Wahrheit aus zweiter Hand gesucht. Ich habe mich nicbt bemüht, die Natur mit der nämlichen Erhebung des Geistes wiederzugeben, womit ich sie zuerst ans-:haute, sondern ich strebte eher danach, meine Arbeiten den Werken anderer Leute ähnlich zu machen. Jetzt bin ich entschlossen, diesen Sommer keine müßigen Besuche zu machen oder meine Zeit bei gewöhnlichen Menschen zu verlieren. Ich werde nach Berg- holt zurückkehren und mich bemühen, die Landschaft, die mich dort interessiert, in reiner un- gekünstelter Weise wiederzugeben. Hier ist Raum genug für einen Naturmaler. Der größte schier unsrer Zeit ist ,,Bravura-, ein Streben, etwas zu geben, was über die Wahrheit hinausgeht. Mode siegt heute und wird immer siegen: aber die Wahrheit allein wird in allen Dingen sich als dauerhaft erweisen; sie allein hat Ansprüche an die Nachwelt. John Constable. ,John-CZnska6le Hampstead, 23. Oktober Z82Z. Mein lieber sisher! Ich erwarte mit Ungeduld die Rückkehr in meine Londoner Werkstatt, denn ich bin nicht ordentlich an der Arbeit, außer vor einer Sechsfuß-Leinwand. Ich habe eine Menge Himmel skizziert, denn ich bin entschlossen, alle Schwierigkeiten zu überwinden, und dies neben dem übrigen. Und wie ich vom Himmel rede, fällt mir ein, wie tapfer Sie unsre Schlachten ausfochten; jährlich wählen Sie den besten Standpunkt, um Ihren Freund aus der Klemme zu bringen (das Beispiel der alten Meiste:-). Der Landschafter, der auf seine Himmel nicht ein Hauptgewicht legt, ver-nachlässigt eines seiner größten Hilfsmittel. Sir Ioshua Reynolds sagt von den Landschaften Tizians, Salt-ators und Claudes: ,,Selbst ihre Himmel scheinen mit ihren Themen zu symPathifkMU"s Man hat mir oft geraten, meinen Himmel als ein hinter den Dingen hängendes weißes Tuch zu betrachten. Freilich ist es schlimm, wenn der Himmel sich vordrängt wie bei mir- aber noch schlimmer ist es, wenn man sich um ihn herumdrückt, was ich nicht tue; der Himmel soll und muß immer eine Hauptsache in meinen Bildern bleiben. Man könnte schwer- lich eine Art von Landschaft nennen, wobei der Himmel nicht den Ton angäbe, wo er nicht der G:-adme1Ter und der Hauptträger der Stimmung wäre. Sie können sich also vorstellen, zu was mir ein weißes Tuch helfen könnte, wo ich von dieser Überzeugung, die mir absolut richtig scheint, beherrscht bin. Der Himmel ist die Quelle des Lichtes in der Natur und be- herrscht alles; sogar unsere täglichen Wetterbeobachtungen werden allein von ihm bestimmt. Die Schwierigkeit des Himmels in der Malerei ist sehr groß, sowohl was Komposition als auch was Ausführung anlangt, denn bei aller Lichtfülle soll der Himmel sich doch nicht vor- drängen, ja, man soll ihn nicht mehr verspüren, als man weite Entfernungen zu spüren pflegt; dies bezieht sich aber nicht auf besondere Erscheinungen oder zufällige Wirkungen des Himmels, die ja stets besondere Aufmerksamkeit erregen. Ich kann Ihnen all das sagen, obgleich ich gerade Ihnen nicht zu sagen brauche, daß ich recht gut weiß, was ich tue, und daß meine Himmel nicht vernachlässigt sind, obgleich sie mir häufig bei der Ausführung mißglückt sind, und zwar ohne Zweifel aus allzu großer Sorgfalt und Mühe, die stets den leichten Schein zerstören, welchen die Natur bei allen ihren Wandlungen behält. Wie gerne wäre ich mit Ihnen in den New sorest fischen gegangen! Wie heißt der Fluß da? Aber das Rauschen des vom Mühlendamm herabströmenden Wassers, Weiden, alte verfaulte Schleusenbalken, schlammige Pfosten und B-acksteinmauern, solche Dinge liebe ich! Solange ich male, werde ich nicht aufhören, solche Orte zu malen. Immer warm sie mein Entzücken, und gerne hätte ich in Ihrer Gesellschaft gesehen, was Sie mir be- schreiben, ,,in der Gesellschaft eines Mannes, für den die Natur ihr Buch nicht umsonst ösfnet". Aber meine eigenen Winkel male ich doch am besten; Malen ist für mich nur ein andres Wort für sühlen, und meine goldne Iugend hängt mit allem zusammen, was ich an den Ufern des Stour sehe; diese Dinge haben mich zum Maler gemacht, und ich !-M