Kiinstlerbriefe. auch durch irgend einen Zug wieder verdorben. Summa, ich lungere vier lange Wochen herum, und bin noch nicht recht auf dem Strumpf. Das bifTl Briefschreiben strengt mich an. Von Reisen ist noch gar keine Rede. Ihr liebenswürdiges Gedicht habe ich für Paul Heyse, der davon entzückt ist, abge- schrieben. Er colportirt es tapfer. Ich hoffe, Sie halten mich nicht für einen bescheidenen Lumpen. Was machen Sie denn in Ihrem stillen Lorchf Sind sie fleißig? Ich rechne immer nach und finde, daß ich dies Jahr eigentlich gar nichts gematht habe. Seit der G:-ippe fthIaf sc) den halben Tag und die andere Hälfte wird irgend wie todtgeschlagen. Wissen Sie was eine schöne male:-ische Aufgabe ist? Die see Lan. Daß dieser ernst- hc7fte Charakter fünfmal lachen muß, das ist etwas darstellba1-es, Dreimal lacht sie schon. Nur mit dem Klöt3le Blei schaut"s bedenklich aus. Leben Sie recht wohl, verehr-ter Freund, und erfreuen Sie einen geärgerten und siechen Mann recht bald mit ein paar Zeilen. Ihr ergebenster Freund M. v. Schwind. J85,J. Mein lieber Sensier! Gestern, Freitag, habe ich die Farben, das Oel, die Leinwand usw. erhalten, die Sie mir schicken, und auch das angefangene Bild. Die drei Bilder für den Verkauf nennen sich: Z. Eine hanfbrechende Frau, Z-. Bauer und Bäuerin gehen zur Arbeit ins Feld, Z. Holzsammler im Walde. Das sind, wie die Titel Ihnen schon sagen, weder nackte Weiber noch mythologische Darstellungen. Ich will mit etwas anderem, als mit diesen Sachen durchdringen, und ob- schon ich der Bestellung von solchen Bildern nicht aus dem Wege gehen will, will ich doch auch nicht zu ihnen gezwungen werden. Aber die ersten passen besser zu meiner Gemütsart, und ich muß Ihnen gestehen, auf die Gefahr hin, wieder einmal für einen Sozialisten gestholten zu werden, daß die mensch- liche Seite in der Kunst mich am meisten rührt, und wenn ich tun oder wenigstens versuchen könnte, was mir gefällt, so würde ich mir etwas machen, was nicht das Resultat eines direkt von der Natur, sei es in Landschaft, sei es in Figuren, empfangenen Eindruckes wäre. Es ist niemals die frohe Seite, die mich festhält; ich weiß nicht, wo sie ist, ich habe sie nie wahrgenommen. Das lustigste, was ich kenne, ist die Stille, das Schweigen, das man so köstlich genießt, entweder im Walde oder im Felde, und da lädt es immer zum Träumen ein, zu melancholischem, aber höchst reizvolIem Träumen. Da sitzt man unter den Bäumen und empfindet das ganze Wohlsein, die ganze Ruhe- dE1"M Genuß Uns gegeben ist; man sieht, wie auf einem schmalen Pfade eine arme Gestalt mit einer Last Reisig daher-kommt. Die unerwartete und plögliche Erscheinung dieser Gestalt bringt sofort das traurige Menschenlos mit seinen Mühen in den Sinn. In den Feldern, die man in manchen Gegenden selbst auf fast unfruchtbar-em Boden findet, sieht man hockende, grabenbe Gestalten. Von Zeit zu Zeit richtet sich eine auf und wäscht sich mit dem Rücken der Hand den Schweiß von der Stirn. ,,Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen!" Jst das die frohe, lußige Arbeit, wovon gewisse Leute uns ihre Lieder fingen; Und doch finde ich da die wahre Menschheit, die große Poesie. I(h halte ein, denn sonst könnte ich Sie schließlich noch langweilen. Sie müssen Ge- duld Mit Mit' haben. Ich bin ganz allein und habe niemand, dem ich meine Gedanken mit-