Vorstellung wohlwollend auf und durch kurfürstliche Resolution vom 20. Juni r78g wurde unserm Künstler zu den fünfzig Thalern Quartiergeld, die ihm schon 1774 bewilligt worden Waren, eine Gehaltszulage von dreihundert Thalern gewährt, ausserdem noch die Professorenstelle für das Porträtfach an der Kunstakademie übertragen. Bis dahin war er nicht wirklicher Lehrer, sondern nur ßaggregirtesc Mitglied gewesen, als welches er wjährlich ein oder etliche Arbeiten für die Chur- fürstlichen Cabinetts ohnentgeldlich zu liefernx und Schüler für den Eintritt in den Aktsaal vorzubereiten hatte. Graffs künstlerisches Wirken können wir in der Hauptsache erst von seiner Übersiedelung nach Dresden an verfolgen. In der Schweiz und in Süddeutsch- land mag sich manches Werk seiner früheren Jahre erhalten haben (z. B. das jugendliche Selbstbildniss aus dem Jahre 1754 in der Kunsthalle zu Winterthur), die grösste Zahl in den zehn Jahren vor seiner Berufung sollen es allein 297 Stück gewesen sein ist verschollen oder nicht mehr nachweisbar. Man darf indessen nicht glauben, dass diese an und für sich so stattliche Ziffer nur Bildnisse grösseren Formats bedeute, die von ihren Auftraggebern als Schmuck der Wand bestimmt waren. Wie er selbst gelegentlich einmal zur Radirnadel gegriffen hat es existiren drei radirte Porträts von seiner Hand so malte er auch Porträts als Vorlagen für den Stich, grau in grau und mit Rücksicht auf die Übertragung auf die Kupferplatte. S0 z. B. das Bildniss seines Gönners Johann Jakob Haid (Abb. I) aus dem Jahre 1766 (von Jakob Elias Haid 1768 in Schabkunst verviel- fältigt) und die beiden Porträts von Scheuchzer und Gessner (Abb. z), inmitten einer blumenumrankten Architektur, wohl als Titelbild oder Widmungsblatt gedacht, wenn als solches auch nicht nachweisbar. In Dresden dagegen beschränkte sich seine Thätigkeit auf Originalölgemälde. Wir wundern uns nicht, dass er bei dem Bedürfniss der damaligen Zeit ein gesuchter Künstler wurde und nicht nur seitens des Hofes Aufträge erhielt, sondern der Modemaler des sächsischen Adels wurde, der auf seinen Schlössern, Stadt- und Landsitzen noch heutigen Tages eine grosse Zahl z. Th. recht bedeutender Werke von ihm aufbewahrt. Nächst Dresden hat Graff besonders in Leipzig und Berlin viele und dan- kenswerthe Aufträge gehabt. In beiden Städten hat er oft geweilt, gute Freunde waren hier auf seinen Ruhm bedacht, ja man kann sagen, dass die Porträts, die er hier gemalt hat, am meisten für die Verbreitung seines Namens gesorgt haben. In Leipzig, das unter seiner Bürgerschaft kunstsinnige Männer besass, denen Goethe in Dichtung und Wahrheit ein so ehrendes Denkmal gesetzt hat, war es neben den wohlhabenden Kaufleuten, deren Nachkommen jetzt noch Bildnisse ihrer Vor- fahren von der Hand des Meisters besitzen, besonders ein Mann, dem Graff viel zu danken hatte, dessen Namen aber auch in der deutschen Litteratur fortleben sollte, so lange spätere Geschlechter sich an den Bildnissen grosser Denker und Dichter des achtzehnten Jahrhunderts erfreuen werden. Das war Philipp Erasmus Reich, ein Mann, der weit in der Welt herumgekomrnen war, ein in Geschäften vornehmer, wie durch geistige Noblesse ausgezeichneter Herr, wder erste Buch- händler der Nationa, wie ihn Wieland nannte. Er war Geschäftsführer und seit 1762 Theilhaber der Weidmannschen Buchhandlung, als Geschäftsmann wie Organi- sator ein Mann von weitgehendem Blick und praktischem Sinn, der mit den