schlicht-bürgerliche Natur war, so hat sich auch sein Dasein in den Schranken der Alltäglichkeit bewegt: wir können es von Jahr zu Jahr verfolgen und hören, von kleinen Ereignissen, wie sie jedes Menschenleben mit sich bringt, abgesehen, immer nur, wie fleissig und erfolgreich sein Streben und Schaffen war. Ausser- dem haben sich wichtige Dokumente über ihn erhalten; archivalische Quellen, Äusserungen von Zeitgenossen und endlich auch eine eigene kurze Lebensbeschrei- bung, die über die ersten dreissig Jahre seines Lebens erwünschte Auskunft giebtg). Für diese Zeit lassen wir, da sich ohnehin nur dasselbe mit anderen Worten sagen liesse, den Meister am besten selbst zu Worte kommen, der in seiner schlichten Weise sich also vernehmen lässt: ßICh bin 1736 den 18. November in Winterthur geboren. Mein Vater war ein Zinngiesser, dessen Handwerk ich auch erlernen sollte; allein die Freude, die ich von Jugend auf hatte Bilder zu sehen erregte in mir den Wunsch ein Maler zu werden. Mein Vater wollte dazu durchaus nicht einwilligen, bis ihn endlich der damalige Pfarrer zu Rickenbach (der selbst zeichnete und malte) dazu überredete und ich zu dem Maler Schellenberg auf 3 Jahre in die Lehre kam. Nach Verlauf dieser Zeit musste ich für mich selbst sorgen. In eine Condition zu einem Maler zu kommen, war schwer, nämlich zu einem, wo ich in der Kunst weiter kommen konnte. Schellenberg schrieb deswegen an den Jacob Haid in Augsburg (ein ge- schickter und bekannter Künstler in Schwarzkunst), allein die Antwort war, dass er mir keine Condition verschaffen könne; wenn ich mich aber getraue auf meine eigene Faust durchzukommen, er mir mit Rath und That beistehen wolle. Auf dieses hin reiste ich im Jahre 1756 im Monat Juni von Winterthur dahin ab, kam den I7. d. M. in Augsburg an, und Haid erfüllte sein Versprechen redlich; er ver- schaffte mir Kost, Wohnung und Arbeit, und ich brachte meine Zeit nützlich bis 1757 zu. Gegen Ende dieses Jahres kam ich nach Ansbach zu dem damaligen Hofmaler Schneider in Condition durch Haid, der Bekanntschaft mit ihm hatte. Ich musste nämlich Augsburg verlassen, weil einige dortige Maler es dem Haid übelnahmen, dass er mir seinen Beistand leistete und ihnen dadurch Arbeit ent- gieng. Schneider war aus Geislingen nicht weit von Ulm gebürtig, hielt sich i) Von Quellen für Gratis Leben seien hier genannt: ßDas Leben Anton Gratis von Winter- thur: von L7lriclz Hegner, in dem Neujahrsstück der Züricher Künstlergesellschaft auf das Jahr 1815, wieder abgedruckt in Hegners Gesammelten Schriften, Bd. V (Berlin 1830) S. 61 ff. Das handschrift- lich vorhandene Quellenmaterial, Dokumente und Akten, seine Berufung nach Dresden, Gehaltszu- lagen u. s. w. betreffend, im königl. Hauptstaatsarchiv zu Dresden, der auf der Winterthur-er Stadt- bibliothek aufbewahrte Schreibkalender des Künstlers, der in diesen in den Jahren 1775, 1777-81, 1783-1804, 1812-1813 eigenhändig Notizen über seine Bildnisse eintrug u. s. w., hat jlluther benutzt in seiner Biographie: Anton Graf, ein Beitrag zur [Qzmtgeschichte des achtzehnten Yahrlmn- derts, Leipzig 1881. Daselbst werden auch im zweiten Abschnitt die Werke Graffs aufgezählt, ein Verzeichniss, nach dem damals 180 Nummern nachweisbar, 57 nur in Kupferstichen vorhanden und 62 verschollen waren. Das Verzeichniss der jetzt nachweisbaren Bildnisse dürfte inzwischen sich um mindestens 100 Nummern vermehrt haben. Im Anhang hat Muther auch die hier z. Th. wiederge- gebene Selbstbiographie des Künstlers abdrucken lassen. Das früher im Besitze des Herrn Malers Kraukling in Dresden befindliche handschriftliche Material ist nach seinem Tode versteigert worden. Lohnend würde es sein, ein neues Verzeichniss der Werke Gralfs airfzirstellen, doch stellen sich einem solchen Plane, bei dessen Ausführung durchgehends Autopsie der Originale nothwendig ist, zu viel äussere Schwierigkeiten entgegen.