Die Cisterzienser. 159 aber ohne die allerwärts eingerissenen Erleichterungen für das Leben der Einzelnen soll sie durchgeführt werden. Der Versuch mißlingt! Bald unterscheidet sich Molesme in nichts von den übrigen Klöstern, und Robert muß erkennen, daß für seine Auffassung des Mönchtums innerhalb der Kongregatiou kein Platz ist. Nun entflieht er in ein einsames Bergthal Cite"aux, um hier, abgeschieden von der Welt nnd unbekümmert um sie, durch das Opfer des eigenen Jch in Armut und Entsagung verbunden mit harter körperlicher Arbeit dem Herrn zu dienen. Das war seit Jahrhunderten etwas völlig neues und weit unterschieden von den landläufigen Begriffen des Einsiedlers. Der Ruf des Anachoreten, der doch zu den Fürsten des Landes gehörte und freiwillig auf einen AbtsiH verzichtet hatte, verbreitete sich deshalb schnell im Lande. Eine Anzahl gleichgesinnter Männer zieht ihm zu, die er nach überkommener Sitte zu mönchischem Konvikt zusammen- schließt. Am 2. März des Jahres 1098 weiht der so entstandene Konvent seine ersten armseligen Vedürfnisbauten: ein paar Holzhütten zum Wohnen, ein kleines Oratorium für den Gottesdienst. Diese Entwickelung erregt jedoch die Aufmerksamkeit Clugnh"s; Robert wird deshalb schon im folgenden Jahr zur Rückkehr nach Molesme gezwungen, wo er zehn Jahre später, 1108, stirbt, ohne, wie es scheint, seine Gründung Citeaux wiedergesehen zu haben. Die Beseitigung des Hauptes brachte aber die Bewegung nicht zum Stillstand. Vielmehr bestärkte, wie gewöhnlich, die Verfolgung die Sektierer in ihrem Thau. Und mit ebenso viel gesihäftlicher Klugheit als religiöser Begeisterung verfolgen sie ihr Ziel. Für die Rückbernfung Roberts hatte Clugny den Papst zu engagieren gewußt; es kam deshalb in erster Linie darauf an, diese Bundesgenossenfchaft zu brechen, das Haupt der Kirche für die Jdeen der neuen Genossenschaft zu gewinnen und so von ihm die Sanktion des Geschehenen, die Genehmigung zur Errichtung des neuen, zu den bisherigen Anschauungen des Mönchtums sich im Gegensah setzenden Ordens zu erlangen. Man geht schrittweis vor. Unbedingte Unterwerfung unter das Episkopat gewinnt zunächst dies: es erkennt seinen eigenen Vorteil in der Begünstigung der ,,neuen Mönche" gegenüber den Clugniazensern. So nehmen die Abgesandten, welche Roberts Nachfolger Alberich bald nach des Ersteren erzwungenem Scheiben von- Citeaux nach Rom sendet, schon Empfehlungsschreiben der nächst beteiligten Diözesan- bischöfe mit. Jhrer Geschicklichkeit gelingt es, im Jahre 1100 die Anerkennung der neuen Genossenschaft heimzubringen. So revolutionär deren Auftreten den Benediktinern erschien, im Grunde war jene die Cisterzienser kennzeichnende rücksichtslose Verwirk- lichung dessen, was man am besten als die mönchsphilosophische Weltanschauung bezeichnet, nur eine naheliegende Konsequenz aus dem bisherigen Entwickelungsgange der religiösen Jdeen. Die unbedingte Hingabe der ganzen Existenz an den Unsicht- baren, die von Citeaux verlangte werkthätige und entsagungsreiche Liebe sind Forde- rungen, deren Auskommen Clugny selbst vorbereitet hatte. Citeaux zieht nur die Konsequenz aus der Lehre Clugny"s! Das persönliche Opfer aber, dieses Sicht- barwerden der asketischen Theorie, gewinnt gerade den Nenerern die Sympathien aller Stände. Trohdem sind die nächsten Jahre noch ein Ringen um die materielle Existenz der kleinen Gemeinde. Bei Alberichs Tode 1109 scheint sie sogar ernstlich gefährdet;