Rheiuische Schule: Kobern, Reuß,.Limburg. 133 diese gewaltige Westfassade gerade mit ihrer tvirk1ingsvollen und glänzend reichen Gliederung, aus deren Baumasse der einst in schlanker Pyramide geschlossene Turm aufsteigt, sichert seinem Werk einen PlaH unter den ersten Denkmalen des Rheinlandes. Ihren künstlerischen Abschluß findet diese ganze Entwickelung schließlich in der Stiftskirche St. Georg, dem heutigen Dom zu Limburg an der Lahn (1213-1242), einem Werk, welches die Vorzüge und Mängel der Richtung in einer harmonisch konzipierten nnd auch einheitlich bis zuletzt durchgeführten Prachtleistnng zusammen- faßt. Denn troYdem der gedrückte SpiHbogen bis aus Nebensachen am Bau herrscht und sogar der Strebebogen man ist versucht zu sagen schüchtern auftritt, trohdem sogar das System des Langhauses aussällige Verwandtschaft zu dem der Kathedrale von Noyon zeigt, atmet das ganze Werk doch noch den Geist der Übergangszeit. Der Grundriß mit dem breit entwickelten, schon mit einem Umgang versehenen Chor, dem nur zwei gebundene Joche großen Langhaus und den beiden Fronttürmen weist auf die Neigung der rheinischen Übergangsschule für mehr zentralisierte Komposition. Der Aufbau entfaltet ihre volle dekorative Pracht. Seine lebendige, die Wandflächen bereits völlig auflösende Gliederung, die etwas schweren Rundstäbe und Säulchen, die groben Details so wie das Fehlen eines reizvoll durch- gebildeten Ornaments geben der Gesamterscheinung trog alles dekorativen Apparates nichts Zierliches. Und wie das Innere so das Äußere: französische Motive aller Art noch in deutskhem Gewande: die kleine Blendarkadenreihe im zweiten Geschoß der Westsront findet im Grunde ihr Vorbild in der sogenannten Königsgalerie der Kathedralen der Jsle de France, und auch das große Rundsenster über dem West- portal ist so gut ein französisches Motiv, wie der Giebel zwischen den Türmen. Aber all diese Formen sind wenn man so sagen will germanisiert! Selbst der Giebel ist nur als ornamentales Stück vorgelegt, denn hinter ihm deckt ein Pultdach den Raum zwischen beiden Türmen. Gilt es die Geschehnisse der Geschichte nachträglich philosophisch zu be- gründen, so darf darauf hingedeutet werden, daß gerade Bauten wie Neuß und Limburg das Unhaltbare des Übergangsstiles beweisen. Der romanischen Bau- kunst war die Harmonie zwischen Konstruktion und Dekoration, das Fundament jeder gesunden Tektonik, abhanden gekommen. Denn die jetzt herrschende Dekoration ist auf anderen konstruktiven Voraussetzungen erwachsen, als sie der deutsch-romanische Stil bietet. Weil ihr aber so der Zusammenhang mit den konstruktiven Zielen fehlt, fthweift sie ins Barocke ab, d. h. sie ist aus dem Wege des Versalls. Neben dieser Richtung aber kennt doch auch das Rheinland eine zweite, welche die dekorative ÜbEkfülle mäßigt und die konstruktiven Elemente mehr hervortreten läßt. Sie ist F- Welche kM1gfUm und allmälig zur Gotik hinüberleitet. In dieser Form trat der UbEVgTMgsftkk sonst zumeist in Deutschland auf; so verbreiteten ihn namentlich die Cister- zkeUser im Lande. Ein wichtiges Beispiel dieser Richtung bietet das Rheinland in der alten Karolingerstistung zu Werden, deren Kirche mit Ausnahme weniger aus alter Zeit erhaltenen Reste einem Umbau der Jahre 1257-1275 entstammt, ein strenges, edles Werk, im System des Aufbaues Limburg nahe stehend, mit durchgehende: A"weIIdUUg der Spihbogen bei knappem älteren Ornament und Prosilen; mit noch WMaU1sc)eM Grundakkord trotz der außerordentlich späten Zeit.