Unsicherheit der Verhältnisse herbeigeführte Darniederliegen der Gewerbe machte die Handwerker zu starren Anhängern des Zunftwesens, von dem sie sich Schutz ihres Erwerbes versprochen. Da, wo Gewerbefreiheit bestand, wie in Preußen seit 1810, bildetest fiel) Parteien, die in derselben! einen Unsegen erblickten und die Regierung mit Petitionen nn1 Wiedereinführung der ;"5nnungen und Zünfte be- stürmten. Die gewerblichen Vorrechte des Zollzwanges mit all ihren zun1 Teil kleinlichen Vorschriften über Lehrzeit, Gesellenzeit, Wanderschaft, Mr-iRerwerden usw. hatten wenigstens eine gründliche Ausbildung des Handwerkers ver-bürgt und mit ihrer Forderung eines Befähigung?-nachweises den Handwerksbetrieb auf der Höhe tüchtiger und reeller Leistungsfähigkeit zu erhalten gesucht. Der Fortfall eines Befähigungsnachweises, die Aufhebung von Gesetzen, welche die Zünfte illu- sorisch machten, indem sie dieselben hinderten, ungeprüfte Fremde vom Betrieb ihres Gewerbes auszuschließen, brachen den Zunftzwang und machten die Arbeit in der Tat erst frei, indem sie die vorher gebundenen Kräfte zu unbeschränkten: Wettbewerb beriefen. Die Aufhebung der Zünfte mit ihren rigorosen Bestim- mungen über die Abgrenzung der einzelnen .Handwerke von einander, die schließ- lich zu einer völligen Behinderung verständiger Arbeit gediehen war, mußte um so wichtiger scheinen, als bei dem Auskommen ganz neuer Arten Von Gewerben, dem fabrikmäßigen Betrieb derselben und dem zunehmenden Wachstum der Be- völkerung die Aufrechterhaltung so veralteter Korporationen für das Handwerk Selbs?mord bedeutet haben würde. In dem heftigen literarischen- Streit- über das Für und Wider standen da- mals Bei-noulli, Ebers, Leucl)s, Pestalutz, Bülau, Schmidt, Benedikt auf seiten der Kämpfer für unbedingte Gewerbefreiheit, während Ziegler, Albrecht, Gysi- Schinz, Beisler, Oesterley, Schick sich gegen dieselbe erklärten. In Preußen hielt man verständigerweise an der Gewerbefreiheit fest, wenn man auch aus politischen Gründen im Jahre 1845 das Jnnungswesen in wesentlich gemilderter Form wieder herzustellen suchte, in den übrigen deutschen Staaten ist man erst im Laufe der 60 er -Jahre zur Gewerbefreiheit übergegangen. Wie wunderte sich z. B. noch Friedrich He-bbel 183c) in München über die heftige Zeitungspolemik zwischen dem .s2ofknopfmacher und dem .s2ofbortenmacher, die dadurch entstanden war, daß der erstere sich seiner schönen Borten gerühmt hatte, die er doch gar nicht machen durfte. Während der Anbruch einer neuen Zeit, mit der auf die Maschine gestellten Arbeit, sich schon überall ankündigte, während Englands billige Fabrikware aller- orten die Produkte der Handarbeit vom Markte verdrängte, klammerte sich der