Die Kunst im Übergang zum eigentlichen Mittelalter. Einleitung. Es gibt wohl kein untriiglicheres Zeugnis für die Lebenskraft der altklassischen Kultur, als ihr mehr als tausendjähriges Nachtöneu in der christlichen Welt. Bis in das 6. Jahrhundert haben wir das unn1ittelbare Nachleben griechisch-römischen Kunstgeistes verfolgt; wir haben gefunden, daß diese Periode in gewissem Sinne Weh zur Antike gehört; ein im ganzen gleichmäßiger Kultur- und Kunststrom hatte das ganze ehemalige römische Reich beherrscht. Aber schon während dieser Zeit hat sich allmählich eine Veränderung vorbereitet, und zu Ende des 6. Jahr- hunderts war sie gänzlich vollzogen, daher ist dieser Zeitpunkt die Grenze zweier EPochen. Die Kirche hat sich immer weiter von der apostolischen Einfachheit entfernt und war aus einer Macht, die in neutesta:nentlichem Sinne allein in den Seelen der Gläubigen lebte, zu einer weltlichen Institution geworden, welche danach trachtete, in das Leben der Menschen regelnd und bestimmend einzugreifen, ja es zu beherrschen. Viele Dogmen waren in die Kirche eingetreten, welche mit den einfachen Lehren Christi nichts zu thun hatten; hartnäckig und zum Teil mit großer Erbitterung war darum gekän1pft worden, welche Dogmen allgemein an- zU8VkeUnen, welche Kirche die katholische sei. Schließlich wurde die römische Kirche die bestimmende. Zu Ende des 6. Jahrhunderts, unter Papst Gregor dem Großen waren Lehre und Kult in allen wesentlichen Punkten so aus- gestaltet, wie sie später blieben. Den schärfsten Ausdruck erfuhr das damalige Christentum durch das Entstehen und die Ausbreitung des Mönchtums und durch