Abb. 267. Moses, Wasser aus dem Felsen schlagend, und ein Angler. Wandmalerei aus dem Cdmeterium des heiligen Calixtus bei Rom. Nach de Rossi: Roma Zotten--me-. Die altchristliche Kunst. Einleitung. Während sich die antike Welt mit ihrem Kulturkreis im römischen Reich auslebte, erstand eine neue weltgeschichtliche Macht, welche sich in stillem, aber stetigem Wachstum über alle civilisierten Länder verbreitete und schließlich trium- phierend als die Begründerin eines neuen Zeitalters emporstieg, and) die erst neu in die Kultur eintretenden Völker sich unterwarf. Es war das Christentum. So tief die Kluft ist, welche die Grundanschauungen der antik-heidnischen und der christlichen Welt voneinander trennt, so unendlich verschieden beide als Gesa1nterscheinungen sind, es spinnen sich dennoch mannigfache Fäden von der einen zur anderen. Haben doch beide jahrhundertelang nebeneinander bestanden. So gilt denn auch hier das Wort, daß es in der Geschichte keine schroffen Über- gänge gibt. Es entsteht vielmehr alles in langsamem Werden, wohl vorbereitet und vorgedeutet, und es finden sich nicht nur in der jiidis(hen Religion, aus welcher das Christentum hervorgegangen ist, sondern auch in der heidnischen Welt Vordeutungen auf das Christentum. Die Lebensauffassung der Griechen war allerdings aufgebaut auf der Grundlage hoher Sittlichkeit, aber nur während einer kurzen Periode fand diese ihren vollen Ausdruck in der Religion: nur im Geiste eines Aschylos, Sophokles und Phidias wurden die Götter des Volkes wirklich zu Vertretern des höchsten Sittlichen, und da, wie wir gesehen haben, in fast christlichem Sinne. Die wichtigsten Vordeutungen auf christliche Anschauungsweise sind in der griechischen Philosophie enthalten, welche eine zweite Religion neben dem Volksglanben bildete. Sokrates führte eine sittlich religiöse Betrachtung des Menschen ein, er lehrte, daß der Mensch dem über ihm stehenden Allgemeinen sich unterordnen und so den Endzweck eines sittlichen Daseins verwirklichen müsse. Er übte