Die Plastik der hellenistischen Epoche. 247 geordnete Betrachtung mit dieser Kunst bekannt machen; zudem schwindet jetzt das Jnteresse an der Person der Künstler, weil diese nicht mehr in dem friihei-en Sinne gestaltend hervortritt, so11dern 1u1r eine Einze"lerscheinnng de-Z allgeinei11en .Kn1istköuiiens ist. Deshalb habeii auch schon die Alten nur wenige Namen ans dieser Epoche überliefert, ebenso wie wir für das Baroek- ui1d Rokokozeitalter viel weniger nach Namen fragen, als für die Zeit der neuschaffenden Re1iaissanee. Die hohen Gestalten der oberen Götter si11d im Helle1ii-3iiiiis fast gänzlich zuriickgetreten, n1id die Kunst hält sich fast ansschlies3lich an diejenigen göttlichen Wesen, welche den heiteren Genuß de-Z irdischen Daseins veranschan: lichen, den Gott des Weines Tionhsos i1nd seinen Kreis, die Meergötter, die Göttin der Liebe, Erd-Z inid ähnliche. Wahrhaft nnabsehbar ist die Fülle der Wesen, welche der -ei Baechische Kreishervorgebracht , hat. Ebenso reich, wie die geistige Grundlage der Bacchischen Mt)the, das: uppIge vegetative Wachs.-tu11i ; der Erde, hat hier die kiinstlerische Phaiitasie geschaffen. T Da ist vor- wem der fah- wide Gott Diom;sos selbst. Wie in der Zeit des Praxitele-Z erscheint L er auch jetzt sowohl als älterer Mann als in siißester Jugend. V, tigen Bacchus ist verloren ge- " gangen, auch der ältere Gott ist zum Zecher geworden und"neigt das weinsehwere Haupt auf die Brust. So finden wir ihn iia- inentlich auf Reliefs; der lang- geioandete Gott vermag fiel) nicht weht allem m3srFcht erha"I1" Abb. 19(J. Jngendlicher Dionhsos. Rom. Kapitel. cM SCUUL" VII-US Ihn itUHcU- Un Nach Originalphotogras-hie. einer häufig vorkonimenden Dar- stellung ist er an der SpiZe feines Zuges in das Haus eines mit seiner Geliebten zum Mahle gelagertei1 Jünglings eingetreten uiid ein Sathr ist im Begriff, ihm die.Sand.alen zu lösen. Die Statuen zeigen den Gott jugendlich oder bärtig, gesti"ctgit ai1f einen Jugendlcchen'Satyr oder ans einen Knaben, der die Rebe personifiziert. Die Stimmung des Gotte-s ist meist trübe Wehmut, wie sie den Trinker leicht ergreift und beherrscht. Zuweilen scheint es fast, als- ob der finnlirhe Genuß, dem er sich ganz hingegeben, wie eine schwere Last auf ihm liegt, weil er nicht die Kraft hat, sich zur That aufzuraffen, .nnd Weltschnierz hat ihn durchdrungen. Dabei blüht er oft in reizvollster Jugend wie in dem Marmorkopfe des kapito- linischen Museum-s, früher Ariadne gengnnt, der noch von feinster Erfindung ist 19(i). Die Wehmut ist hier in zarte .Poes1e gelöst, kaum scheint es der derbe Wein gewesen zu fein, der den Gott berauscht hat, sondern der Blütendnft seiiier eigenen Schönheit. Gan im Gegensatz dazu bricht in einem fast noch knabenhaften Kolossalkopf zu Leyden z