Das Zeitalter der archaischen Kunst nach HeraUSbildung des rein Griechischen. X. Anfänge der monumentalen Plastik. Die ersten Versuche zur Einzeldarstellung der menschlichen Gestalt haben die Griechen an ihren Götterbildern gemacht. Jn der ältesten Zeit glaubte man, daß die Götter ihren WohnsiH in Bäumen hätten; später verehrte man sie unter der Gestalt vom Himmel gefallener Steine, oder das Holz der heiligen Bäume Wurde zu geheiligten Pfählen, Balken und Brettern verarbeitet, es bildete sich also ein Fetischdienst heraus, wie ihn alle Völker zuerst haben. Die Fetifche wurden mit kostbaren Gewändern bekleidet. Nur eine Stelle der Jlias könnte man auf direkte Erwähnung eines Götterbildes deuten, wo erzählt wird, daß die troischen Frauen der Göttin Athene ein Gewand als Weihgeschenk auf die Kniee legen. Da es aber nicht recht möglich ist, diese älteste Statue als ein SiHbild zu denken, ist der Ausdruck vielleicht nur bildlich in Bezug auf die wirkliche Göttin gemeint. Erst in der Odyssee gehören Tempel zu den notwendigen Gebäuden jeder Stadt, und somit hat es auch Götterbilder gegeben. Ein erster Fortschritt bestand darin, daß man begann, an den Jdolen die Form eines Menschen anzudeuten, Kopf, Brust, die Arme in kleinen Stiimpfen oder fest an den Körper gedrückt, die Beine zusammengepreßt und die Augen geschlossen. Das Material dieser Xoana, wie sie die Griechen nannten, blieb lange Zeit Holz, schon weil dieses am leichtesten zu bearbeiten ist. Bis in die späteste Zeit des Griechentums sind einzelne altehr- wiirdige Xocma aufbewahrt worden, sie galten für besonders heilig und wurden mit aller erdenklichen Sorgfalt gestiiHt und ausgebessert, wenn das morsche Holz zusammenzufallen drohte; wie heute noch die alte Form des byzantinischen Madonnen- bildes besonders heilig gehalten, in den Kirchen verehrt nnd in immer neuen Bunt- drucknachbildungen auf den Markt gebracht wird. Jetzt sind die alten ?c"oana längst in Staub zerfallen, aber kleine Terrakottanachbildungen, welche namentlich in Böotien gefunden sind und den Bauern als Hausfetische dienten, zeigen uns noch heute ihre Form. Diese älteste Periode ihrer statuarischen Kunst hatte die Phantasie der Griechen mit fabelhaften Überlieferungen-umkleidet. Sie erzählten von dämonifchen Metall- arbeitern, den Daktylen am phrygischen Ida und den Telchinen aus Rhodos, Kreta und Cypern. Schon die Namen deuten auf die Erfindung hin, denn Daktylen heißt Finger, ihre Einzelnamen bedeuten Hammer, Zange, Ambk-s, A1s da SkammVakek quer späteren Künstler wurde Daidalos angesehen, welcher der Sage nach Baumeister und Bildhauer war. Seine Bauthätigkeit erstreckte sich ans Kreta, wo er für Minos das Labyrinth errichtete, Sicilien und Sardinien. Jn der Plastik soll er den ersten großen Schritt zur Belebung der Bilder gemacht haben, indem er die Arme vom Körper und die