Die z-3austi1e. Zur Zeit, als die griechische Plastik und Malerei noch in ihren ersten An- fängen lagen, war das System der griechischen Baukunst in der Hauptsache schon fertig, Aus dem 7, Jahrhundert, bis zu welchem uns die historische Betrachtung geführt hat, stammen auch mit wenigen und leider über die Entwickelung nicht viel besagenden Ausnahmen die ältesten uns erhaltenen eigentlich griechischen Bauten. In der mykenischen Epoche war die.Hauptaufgabe der Baukunst die Errichtung von Burgen und Königspalästen gewesen, bei den eigentlichen Hellenen aber mit ihrer schönen menschlichen Freiheit ist die höchste und lange Zeit fast einzige Aufgabe der Architektur das den Göttern geweihte Haus, der Tempel, dessen Besitz nicht auf einen einzelnen beschränkt, sondern der Ge- meingut des ganzen Volkes war. Ausschließlich am Gotteshaus und für dasselbe scheinen sich die griechischen Bauformen entwickelt zu haben. Leider gähnt von der mykenischen Epoche bis zu den ältesten Tempelresten eine Lücke von sechs oder mehr Jahrhunderten. Fertig, wie Pallas Athene dem Haupt des olympischen Zeus entsprang, steht der Tempel vor uns; wie er geworden ist, darüber er- halten wir nur wenige und höchst unsichere Andeutungen, und doch muß eine lange Kette von Vorstufen zu dieser Höhe e1nporgeführt haben. Aus dem einzigen uralten Beispiel, dem Heiligtum auf dem Berge Ocha in Euboia, können wir nichts herauslesen, weil wir nicht wissen, ob wir es als unmittelbaren( Vor- läufer des späteren Tempels oder als Sonderart anzusehen haben. Es besteht aus einer einfachen rechteckigen Cella, welche den Eingang aus einer Langseite zwischen zwei Fenstern hat. An mehreren der ältesten Te1npeltrümmer scheinen einige später notwendige Bauglieder zu fehlen oder abweichend gebildet zu sein, aber wir können nicht entscheiden, ob darin Zwischenstufen gegeben sind. Wir wissen auch nicht, ob Vitruv, der römische Schriftsteller über Baukunst, recht hat, wenn er als älteste Form den Antentempel ausstellt, oder ob nicht etwa der Peripteros mit seiner rings um die Cella laufenden Säulenhalle ebenso alt ist; für beide Ansichten lassen sich gute Gründe anführen. So müssen wir uns also damit begnügen, den griechischen Tempel als fertiges Ganze hinzunehmen, über dessen Ursprung wir keine Rechenschaft geben können; er erscheint wie eine persönliche Schöpfung, was seiner Wirkung nur noch zum Vorteil gereicht. Eins steht wenigstens- für den dorischen Stil mit Sicherheit fest, daß der Steinstil durch Ubertragung aus dem Holzbau entstanden ist. Ja an manchen Gebäuden scheinen selbst noch in später Zeit die oberen Teile aus Holz gewesen zu sein (vergl. auch Heraion zu Olympia S. 84). Es läge nahe anzunehmen, daß die Elemente der griechischen Baukunst aus dem Orient stammen, da auch griechische