Neue Anfänge nach der dorischen Wanderung. 25 Fußbekleidung, alles ist genau geschildert. Aber die Wirklichkeit ist nur nach ihrer äußeren Erscheinung nachgeahmt, ohne daß der Maler sich Rechenschaft über den organischen Zu- sammenhang nnd das Gerüst des Ganzen gegeben hätte. Die Dipylonvase hingegen zeigt den Maler als denkenden Künstler. Damit sind die AnsaHspuren zu weiterer Entwickelung gegeben. Jn den Vasen des geometrischen Stils und besonders in ihren figürlichen Darstellungen haben wir das erste Dokument hellenischen Geistes, die erste Andeutung dafür, daß er weitblickend, auf Ordnung und Regel bedacht ist und alle kleinlichen Mittel verschmäht. Wir ahnen schon, daß die Hellenen bei hoher Idealität ausgestattet sind mit dem ruhigen vernünftigen Blick für das Reale, einer Vereinigung, welche sie befähigte, die höchsten Leistungen auf kiinstlerischem Gebiet hervorzubringen, wie sie der Menschheit nicht wieder gelungen sind. So erwächst nach der dorischen Wanderung in Griechenland eine einheimische Kunst, welche vollständig frei ist von orientalischen Elementen. Aber eine un- mittelbare Weiterentwickelung von innen heraus sollte diese Kunst nicht haben, das wäre wohl kaum möglich gewesen. Die fertige Kultur des Orients sollte ihren Einfluß aufs neue geltend machen, und nach schwerer Arbeit das Griechentum daraus bereichert hervorgehen. Es war das große Naturgesetz, daß aus dem Tode wieder neues Leben erwächst: bevor die orientalische Kultur gänzlich erstarrte und abstarb, befruchtete sie das junge aufstrebende Europa. Das hauptsächlich bestimmende Land war Asien. Der Einfluß von dorther wuchs in demselben Maße, in dem die griechische Kolonisation Kleinasiens und der Küsten des Mittelmeeres fortschritt. Auf eine erste Besiedelung in der mykenischen Epoche folgte die Kolonisation in umfangreicherer Weise von der Mitte des 8. Jahrhunderts ab, so daß nach Verlauf eines Jahrhunderts das Agäische Meer ein griechischer Binnensee geworden war. Aber noch weiter drangen die Kolonisten vor, westlich bis zur Mündung der Rhone, östlich bis in das Schwarze Meer, ja bis an die Küsten des Asowschen Meeres. Da alle diese Kolonien in bewunderungswürdiger Weise ihr Hellenentum bewährten, wurde die spätere griechische Kultur durch sie bis an die entferntesten Enden der damals bekannten Welt getragen und Griechenland zum geistigen Mittelpunkt des ganzen Mittelmeer- beckens. Zunächst aber mußte sich die Griechenwelt gerade durch ihre Kolonien, und zwar die kleinasiatis(hen, mit orientalischen Elementen durchdringen. Ja den dortigen Siedelungen waren die Griechen eingezwängt zwischen dem Meer und den Völkern des Inneren und standen schon wegen des Handels in steter Berührung mit den Asiaten. Es lag in ihrem eigensten Interesse, die freundlichen Beziehungen zu pflegen. Von Lydien aus, das Ephesos benachbart ist, kamen assyrische Waren, bunt gewebte Teppiche, scharlach gefärbte Stoffe, Gold- Und Sj1hekakk,ejten auf den griechischen Markt. Von Phrygien aus drangen Reste hetitischer Kunst in die äolischen Kolonien der nördlichen Westküste Kleinasiens vor. Rhodos war ein vorgeschobener Posten der Dorier gegen die alten Kulturstätten von Cypern und Phönifien. Die griechischen Kaufleute der kleinasiatiscl)en Kiistenstädte fuhren bis nach Agypten und errichteten im Delta des Nil griechische Handelscomptoire. Lydische, assyrische, phönikische, ägyptiscl)e Erzeugnisse des Kunsthandwerks erschienen