24 Neue Anfänge nach der dorisä)en Wanderung. Die Kunst bleibt vorläufig noch ganz beim Kunstgewerblichen. Die frühesten Denkmäler nach der dorischen Wanderung sind bemalte Thongefäße. Ihr Stil wird nach der Art ihrer Bemalung der geometrische oder nach der Hauptfundstätte der vortrefflichsten Stücke, in den Gräbern vor dem Dipylonthore von Athen der Dipylonstil genannt. Welchem Stamme die damaligen Be- wohner Attikas angehörten, steht nicht fest. Dieser Stil scheint ein gemeinsames BesiHtum vieler europäischer Völker gewesen zu sein, seine Spuren finden sich selbst im Norden. In Griechenland aber zeigt er einige sehr wesentliche Merk- male, die ihn hoch vor allen ähnlichen Erscheinungen heraus heben. Er tritt bald nach der dorischen Wanderung auf und reicht sin seinen let;-ten Auslänfern bis ins 6., vielleicht noch ins 7. Jahrhundert. Schon die Form der Gefäße unterscheidet sich scharf von denen der 1nhkenischen Epoche und läßt echt griechischen Geist erkennen. Die mykenischen Gefäße gehen fast immer von der Kugelform aus, diejenigen des geometrischen Stils von der Eiform. Das ist ein bedeutender Schritt, denn die Kugel drückt nur das Zusammenfassen aus, während in dem Ei das sich öffnende, der Ein- und Ausguß in der stampfen Seite betont ist, und an die spihe Seite sich der Fuß auf natürliche Weise anschließt. Außerdem ist ein reicheres Linienspiel entstanden. Die Gefäße geometrischen Stils dienen auch nicht mehr ausschließlich dem täglichen Gebrauch, sondern die großen Dipylonprachtvasen hatten gar keinen Boden, und wurden aus den Gräbern der Verstorbenen aufgestellt, um die Wein- spenden in ihrer Höhlung zu empfangen. Die mykenischen Gefäße sind, so weit sie er- halten sind, fast ausschließlich mit Motiven aus der Natur geschmückt, von linearen Ver- zierungen kommt nur die Spirale vor. Ganz im Gegensatz- dazu scheinen bei den geo- metrischen Vasen die Motive der Weberei oder noch mehr der Stickerei entnommen, und lineare Verzierungen spielen daran die Hauptrolle. Ein wirklicher Kunststil ist gefunden und so klar zum Bewußtsein gekommen wie vorher bei keinem Volke der Erde. Das zeigt sich auch in der sinnvollen Verteilung des Ornaments, das immer dem betreffenden Gesäßteil entsprechend gebildet ist. Auch die Tiere und menschlichen Figuren, welche in diesem Stil vorkommen, sind durch gleichmäßige Wiederholung ornamental verwertet. Durch den sigürlichen Schmuck zeichnet sich der griechische geometrische Stil vor dem der übrigen Völker aus. Größere Darstellungen kommen nur an den großen Prachtstücken vor, und zwar sind es immer Vorgänge aus dem täglichen Leben: F-estspiele, Chöre, Krieger- und Wagenzüge, Kampsscenen und vor allem Seeschlachten und Begräbnisscenen. Auf einer großen beim Dipylon gefundenen Vase ist ein Leichenzug geschildert (Abb. 18). Der Tote liegt aus einem hohen von zwei Pferden gezogenen Leichenwagen. Zu beiden Seiten sind klagende Männer und Frauen aufgereiht. Diese Scenen befinden sich zwischen den Henkeln, welche auf natürliche Weise zwei Felder begrenzen. In einem unteren un- unterbrochenen Streifen dagegen zieht sich ein langer Wagenzug um das Gefäß, wahr- sTheinlich das Gefolge des Toten. Die Ausführung scheint sehr kindlich zu sein: der Menschliche Kopf wird durch einen Kreis mit einem Punkt darin, welcher das Auge an- deutet, und einem die Nase vorstehenden scl)nabelartigen Auswuchs gegeben, der Oberkörper bildet ein auf der Spitze stehendes Dreieck, die Arme hängen wie Stecken an den Schultern. Die Männer tragen an der Hüfte einen Dolch, die Frauen sind durch die über das Dreieck hinausragende Brust gekennzeichnet. Die auf dem Wagen stehenden Männer haben einen sonderbaren Schild umgehängt. Ebenso schematifch sind die Pferde gezeichnet. Wenn wir aber die Zeichnung in nähere Erwägung ziehen, so erstaunen wir über das sichere Gefühl für das Wesentliche und Charakteristische, das sich darin offenbart. Wie Mhk1g ist das Grundschema eines menschlichen Körpers erkannt, wie lebendig und ans- drucksvoll ist die Bewegung der Arme trog ihrer Steckenhastigkeit, mit welcher Sicherheit IF das VEzSICk)nende in Hüfte und Bein erkannt, und mit welchem Stilgefühl fügen sich Wie iTheMcct1schen Figuren in die ebenso schematisä)en Or-namente ein! Der ganzen ab- ftF0kteU AUff0fi1ZUg sUtspVEkht es, daß für die Malerei ausschließlich schwarz verwendet wird. Wenn wir das volle Verdienst der Figuren wollen fchähen lernen, so müssen wir sie mit denjenigen auf den legten Busen des mhkenischen Stils vergleichen (Abb. DIE Ist die EIUzEkVEObUc)tUng sehr viel reicher: Gesicht, Helm, Panzer, Beinschienen,