3o2 Dürers Ende. Dauernde Ruhe war Dürers irdischen Reiten nicht be- schieden. Mit dem Tode seiner Frau und seiner Schwägerin erlosch das Geschlecht der Frey. Ein altes Herkommen be- stimmte, daß eine Familiengruft nach dem Aussterben des Geschlechts geräumt und dem Spital überlassen würde. Das Spita( wollte keine Ausnahme machen und setzte im Laufs der Jahre mehrere Pfründner an Dürers Nuheskatt bei. Jede Sicherheit über den Berbleib seiner sterblichen Neste ist uns damit genommen. Z. Unter den Todenklagen der Freunde Albrecht Dürers ist die ergreifendste die Wilibald Pirkheimers in einem Brief an Ulrich Varnbühler. Sie lautet: ,,Obwohl ein hohes Alter, mein lieber Ulrich, zu den vornehmsten Wünschen des Men- schen gerechnet zu werden pflegt, so läßt sich doch kaum etwas Verderblicheres ersinnen, als ein allzu langes Leben; das empfinde ich nun von Tag zu Tag immer mehr. Denn ab- gesehen von dem übrigen Ungemach des Alters und von all den verschiedenen Arten der Krankheiten was kann es für den Menschen Befchwerlicheres geben, als daß er fast un- aufhörlich nicht nur Kinder und Verwandte, die der Tod ihm raubt, sondern auch seine Freunde, und zwar die ge- liebtesien unter ihnen betrauern muß? Und doch, obwohl ich schon oft den Schmerz empfunden habe, der aus dem Ableben von Verwandten zu entspringen pflegt, so weiß ich nicht, ob mir je ein Sterbefall solch einen Gram verursacht hat, wie er mich jetzt über das plötzliche Hinscheiden unseres besten und teuersien Albrecht Diirer erfüllt; und das nicht mit Un- recht, denn unter allen Menschen, die mir nicht etwa durch Bande des Blutes nahe standen, habe ich niemanden so sehr geliebt und so hoch gehalten als ihn ob seiner zahllosen Tugenden und seiner seltenen Rechtschasfenheit. Eben darum,