298 Dürers Ende. .Daran erinnert er sich, als er im Jahre 19oo zu öffentlicher Wirksamkeit berufen wurde und eine Lehrerstelle in der Akademie der bildenden Künste erhielt. ,,Es kam mir in den Sinn'-, fährt er fort, ,,wie die Grundlagen, die Dürer gibt, gar manchem Schüler von erzieherischem Nutzen sein könnten, und daß wohl die Akademien gut daran tun würden, dem Wissen vom Raum, wie es in Geometrie und Perspektive ge- geben ist, wieder ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Dürer fordert die klare Ausbildung des räumlichen Denkens und Empfindens, welche ja jeder zur bildenden Kunst Berufene mit auf die Welt zu bringen hat. Da gedachte ich wieder, daß man doch die Dürerschen Schriften für die Kunsterziehung nutzbar machen sollte." Weiter heißt es: ,,Die Unterweisung Dürers möchte ich auch den Akademien empfehlen, es könnten Anregungen daraus hervorgehen, die sich zu einem Funda- ment gestalten, auf welchem sich der Unterricht aufbauen könnte; durch die gründliche Ausgestaltung der Naumlehre würde die Akademie dem Künstler etwas mitgeben, für das er ihr später dankbar sein würde. Mit einer durch Jahre lange Übung erlangten Geschicklichkeit ist noch lange nicht das er- füllt, was ein entwicklungsfähiger Künstler braucht." Ein schlichtes Lehrbuch, das nach vierhundert Jahren noch die Kraft besitzt, an unseren wohlausgebauten Akademien ein ganzes Unterrichtsfach zu-begründen, das ist wie jenes Samenkorn, das man der gepreßten Pflanze eines alten Herbariums entnahm, und das, in die Erde gesenkt, neues Leben an den Tag trieb. Der stille Mann, der die letzten Jahre seines Lebens so einsam im Haus am Tiergärtner Tor ver- brachte, mochte einen solchen Segen seiner treuen Arbeit kaum erhoffen. " 2. Es ging-zu Ende, der müde Körper konnte dem Willen nicht mehr folgen. 8arter Gesundheit scheint Dürer immer