19. Diirers Ende. I. Hieronymuszauber liegt über Dürers Lebensende. Wie -er selbst den stillen Heiligen einst schilderte, der unter dem drohenden Todeszeichen gelassen ruhig seiner Arbeit waltet, ihr alles zuführt, was noch in ihm ist an Kraft, so hat auch Dürer in einem einsamen Heldentum das Leben überwunden. Er wußte seit Jahren, daß er dem Tode verfallen war, aber er hat nicht geklagt. Wie ein wundes Tier zog er sich zurück in die Verlassenheit. Doch nicht, um tatenlos hinüberzu- dämmern, sondern um fern von skörender Geselligkeit voll- enden zu können, was irgend ihm das Schicksal noch ver- gönnte. Chamberlain kennzeichnet es einmal als das Wesen des deutschen Künstlers, daß er es sich nicht genug sein läßt mit seinem eigentlichen ,,Fach", sondern daß er darüber hinaus bestrebt ist, erzieherisch zu wirken auf das ganze Volk. ,,Ein F;-erderHwidmet die besten Jahre seines Lebens der Erforschung des göttlichen Sinnes der Geschichte; ein Schiller arbeitet mit Aufopferung letzter Kräfte daran, uns den Weg zu weisen, auf dem der ,,Staat der Not- in den ,,Staat der Freiheit-", d. h. in den deutschen Staat der Zukunft verwandelt werden kann und wird; ein Richard Wagner wandelt in Schiller-s Fußtapfen, wie bei der Vollendung des deutschen Dramas, so auch mit der Reihe seiner Schriften, welche Staat, Gesell- schaft, Religion betreffen; ein Goethe schreibt Faust und Iphigenie und Werther und alle andern Meisterwerke nur