Die Erneuerung. Offenbarung" Dürers. Die Neformation felbß, Fleisch und Blut geworden und am Ziel, blickt uns an aus den Männer- bildnisfen und den heldifchen Gei?alten, mit denen Dürer fein Lebenswerk beschließt. 2. Frischer Anregungen voll und nach Arbeit drängend wie einst aus Italien kehrte der fünfzigjährige Dürer aus den Niederlanden zurück. Diesmal aber lag es über seiner Schaffensfreude wie ein schwerer Schatten. Jn Seeland hatte ihn ein Leiden ergriffen, das ihn bis ans Ende nicht mehr frei ließ. Er sah den Tod vor Augen, nnd kein Arzt war zu finden, der ihm helfen konnte. War es diese heimliche Qual, die ihn trieb, noch einmal das Leiden unseres Herrn zu erzählen. Die Stimmung des Tages war sonst anders gerichtet: sie drängte zur Tat und entschlossenem Handeln, nicht zu ver- grübelter Beschaulichkeit. Dürer selbst war so ganz von ihr erfüllt, daß alles, was er fortan noch zu Ende führen konnte, nur ihr gehörte. Wie Fremdkörper liegen dazwischen die Entwürfe einer letzten Passion. Sie sind bis auf ein einziges Blatt Entwürfe geblieben, mußten es bleiben, da die Stimme der Gegenwart zu laut nach Dürers Arbeit rief. Die große Kunsigeschichte mag so das- unoollendete Werk entbehren können: für Dürer selbst ist es aber einergreifendes Zeugnis, die stille Klage dieser Blätter, die Auseinanderseizung eines in seiner Qual vereinsamten Menschen mit dem Erlöser, in dessen Leiden er sich in schweren Stunden immer inniger einfühlen lernte. Das erste Blatt, schon 152o, ein Jahr vor der Krankheit -entstanden, sieht noch außerhalb der Reihe. Es ist eine .Kreuztragung (jetzt in Florenz). Die erste Anregung mag Dürer beim Schauspiel jenes feierlichen Umgangs gekommen fein, der sich am Himmelfahrtstag mit seinen Gruppen