15. Die Erneuerung. I. In das qualmende Fackellicht und das Menschengedrängc des Wormser Reichstags hinein hatte Luther sein letztes Wort gesprochen: ,,Es sei denn, daß ich durch Gezeugnis der Schrift überwunden werde, oder aber durch scheinlich Ursachen denn ich glaub weder dem Papst noch den Konzilien allein, weil es am Tag ist, daß dieselben zu mehrmalen geirrt und wider sich selbst geredet haben fintemal ich von Schriften, von mir angeführt, gefangen bin im Gewissen an Gottes Wort: so mag und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen zu handeln beschwerlich, unheilsam und fährlich ist. Gott helfe mir, Amen." Kaiser Karl, bis dahin übermüdet und gleichgültig, horcht auf. Er läßt den iiörrischen Theologen fragen, ob er etwa meine, auch Konzilien könnten irren. Luther bekräftigt es und erinnert zum Beweis an das Konfianzer Konzil, das klaren Bibelworten widersprochen habe. Da erhebt sich der Kaiser und verläßt mit den Seinen den Saal. Er hatte sich entschieden. Luthers Schicksal schien besiegelt: ein Mann mit solchen Ansichten war ein Keizer, ihm gebührte die kaiserliche Acht. Unmittelbares hatte er nicht zu fürchten. ,,Frei geiirack Sicherheit und Geleit" war ihm zugesagt worden, und daß es gehalten wurde, verbürgte die zu allem entschlossene Stimmung des Volkes. Was aber würde die Zukunft bringen? Die Freunde Luthers sorgten vor. Am 4. Mai wurde der Heimkehrende in der Nähe von Eisenach auf die Wartburg