246 Unter Kaiser Max. eine Rebenarbeit. Wir wollen froh sein, daß wir ihn haben, unentbehrlich aber wäre er nicht. Was wir dagegen nioht missen können bei Diirer und nicht missen in unserer ganzen Kunsk, das ist jenes andere berühmte Werk, das die Zusammen- arbeit Dürers und Maximilians gezeitigt hat; ein ganz skilIes- Werk, für die Einsamkeit bestimmt, dort aber wirksamer, als es der lauteste und prächtigske Triumph sein konnte: das Gebetbuch. 4. Im Frühjahr 18o8 wurde Goethe die erste Lieferung eines Steindruckwerkes zugesandt, in dem Strirner unter dem Titel ,,Albrecht Dürers chrisilich-mt)thologis"che Hand- zeichnungen" die Federspiele des Maximiliangebetbuches nach- bildete. Goethes erstes Urteil war: ,,Man hätte mir soviel Dukaten schenken können, als nötig sind, die Platten zuzu- decken, und das Geld hätte mir nicht soviel Vergnügen ge- macht als diese Werke; denn ich hätte es doch ausgeben müssen, und es wäre mir dabei vielleicht nicht so wohl geworden als bei Betrachtung des unschätzbaren Nachlasses." Er zeigt die -Bilder herum und kann sich nicht genug tun in begeisierten Worten. Der Fall komme ja so selten, daß man ,,von ganzem Herzen und mit vollen Backen loben" könne. Offentlich er- klärt er in der Jenaischen Literaturzeitung: ,,Sonsi hielten wir Dürer für einen ernsten Künstler, der mit peinlichsker Treue und offenen: Sinne für Leben, Farben und Formen die Natur nachahmte, dem diese Nachahmung auch zuweilen ohne die gewöhnliche Härte gelungen, und von dem alsdann verschiedenes Einzelne zustande gebracht worden, z. B. Por- trätköpfe, welches dem Herrlichsten in der neueren Kunst nahe kommt: wir erkannten ebenfalls, daß er Fruchtbarkeit in Erfindungen besessen; allein wir glaubten ihn ohne An- mut und wenig fähig, in eine heitere poetische Stimmung