2. Der Gedanke, im Volk wieder Liebe zur alten Kaiser- herrlichkeit erstehen zu lassen, konnte nirgends besseren Boden finden als in Nürnberg. Im Jahre 1424 hatte Sigis- mund der Stadt die Reichskleinodien und den Krönungs- schmu(k der Kaiser zur Bewährung anvertraut. Nürnberg war stolz auf diese Auszeichnung, die es als die erste unter den deutschen Städten anerkannte. Alljährlich am Freitag nach Ostern wurden die Schätze auf dem Markt zur Schau gestellt. Der Feiertag, das Heiltumsfest oder das Heiltum genannt, entsprach ganz jenen hohen Kirchentagen, an denen die kostbaren Reliquienbehälter hervorgeholt und dem staunen- den Volke dargewiesen wurden. Die nämliche feierliche Stimmung herrschte, wenn am Tag des F2eiltums die Reichs- kleinodien aus ihrem Jahresschlaf erwachten. Wie der An- blick eines ehrwürdigen Banners waren sie, das Großes er- lebt und gewirkt hat, und von dem noch immer eine Macht ausgeht. Überall sonst im Reiche war der Kaisergedanke halb abgestorben. Nur in Nürnberg brachte er alljährlich in den rauschenden Lärm der reichen Stadt mit seinem stillen Glanz etwas hinein, das Ehrfurcht heischte. Dürer war groß geworden im Anblick des jährlich wieder- kehrenden Schauspiels. Erinnerungen solcher Art vergißt man nicht. Wenn schon in seinen frühen Werken so viel Strahlendes und so viel Glanz Ach zeigt, so hatte das Heiltum mit seiner hehren Stimmung bewiß sein Teil dazugetan. Noch war die Fühlung allgemein, aber jedes Erleben, auch ein ge- ringes konnte das Verhältnis innig machen und ihm seinen besonderen Charakter geben. Die erste Anregung, die hier die Wendung brachte, ging noch nicht vom Kaiser selbst aus, sondern vom Nürnberger Rat. Es war Sitte, die Reichskleinodien in der Nacht, bevor man sie auf dem ,,F9eiltumsskuhl" auf dem Markt vor dem