2I4 Die Trilogie des Todes. Eine solche Zeit aber sind die Jahre 1513 und 14, in denen das Dreiwerk entstand, für Dürer gewesen. Täglich hatte er damals den Tod vor Augen. Er spricht davon in seiner Familienchronik: ,,8wei Jahr nach meines Vaters Tod nahm ich meine Mutter zu mir, dann sie hätt nichts mehr. Und da sie bei mir wohnte, bis daß man zählte 1513 Jahr, da ward sie an einem Erichtag frühe tödlich und jähling krank, darin sie ein ganz Jahr lang lag. Und von dem ersten Tag an über ein Jahr, als sie krank worden was an einem Erichtag, am 17. Tag des Mai im 1514 Jahr nach Empfahung des heiligen Sakraments is? sie chrisilioh- verschieden zwo Stand vor Nachts, der ich selbst vorgebett hab." Ein anderer Künstler hätte in solcher Stimmung, sich von ihr freizumachen, einen jener Totentcinze ersonnen, wie sie seit der Zeit des großen Sterbens üblich waren. Dürer faßt zusammen. Eine Trilogie des Todes baut er auf, gewiß nicht so gesialtenreich wie die anderer Meister, aber in ihrer -Beschränkung von unendlich tieferer Art als sie alle insgesamt. Vom Todesgrauen spricht er, von der Todesverachtung, der Todesgelassenheit. Es ist eine Philosophie des Todes, so- allumsasTend, wie sie kein Denker reiner geben kann. 2. Die MelaUcholie. ,,-Melenc0lia I" hat Dürer dem Kupfer eingegraben und damit seinen Willen kund- getan, daß dieses Blatt den Anfang machen soll. Der Zeit nach kommt es erst später. Erst 1514 wurde es ausgeführt, ,,der Reiter-, wie Dürer das Blatt kurz nannte, geht ihm 1513 voraus. Beim Entwurf des zeitlich früheren Werkes mochte Dürer des Glaubens sein, alles gegeben zu haben, was er vom Tod zu sagen hatte. Ein aufwühlendes Ereignis erst ließ ihn die letzte Stunde noch in einem anderen Gesichte-