194 Der MensohenfVI)U- ohne daß doch von Helden selbst eine klare und einheitliche Vorsiellung mitgeteilt wurde. Das is! die Überlegenheit der kleinen Passion über die große, daß in ihr der Held der Ereignisse mit der Klarheit eines Geiiohtes gesehen wird. Und das ist der weitere Vorzug, daß die Art dieses Helden zum erstenmal seit Heliandtagen eine solche iß, wie sie ohne weiteres dem nordischen Menschen glaubhaft und überzeugend erscheint. 2. Zwei Lieder klingen in uns auf, wenn wir die Geschichte Jesu uns durch das Mittel der Tonkunst gegenwärtig halten wollen. ,,Ein feste Burg ist unser Gott" das eine, und das andere ,,O Haupt voll Blut und Wunden". Es sind Lieder von scheinbar sehr verschiedenem Wesen, und dennoch fühlen wir das Einheitliche in ihnen, das einander Ergänzende, das erst in dieser Mischung dem Mann der neuen Botschaft den Charakter gibt, der unserer Auffassung des Heldischen ent- spricht. Es ist Dürer gelungen, das Auseinanderstrebende in eins zu fassen und damit die Gestalt des Erlösers so zu kennzeichnen, wie wir seitdem sie gar nicht anders mehr uns denken können. Behaglicl) wie ein Volkserzähler, der nichts auslassen mag, setzt Diirer ein mit der Geschichte vom Sündenfall und der Vertreibung, der unseligen Sache, ohne die alles gut gewesen wäre. Es ist in diesen Blättern, und ebenso in den zwei nächsten, ,,Verkündigung" und ,,Geburt Christi-, noch viel vom Märchenton des Marienlebens. Doch schon die folgende Seite, ,,der Abschied", bringt die Wendung ins Ernste. Gleich danach dann mit vollem Klang der eigentliche Passions- ton: ,,Chriski Einzug in Jerusalem-".