I86 Geßeigerte Größe. Majestc"it der gutmütige und kluge Greis, der noch vom Alten- teil aus die Familie am würdigsken vertritt, und den in dieser besonderen Form der Süden gleichfalls nie gestaltet hat. In diesen Köpfen und in diesen Gestalten zog es Dürer nach zwei Seiten. Das ist das Innerdramatisihe des Werkes, das seinen Schöpfer, je mehr er sich darin versenkte, um so siärker zur Entscheidung mahnte, entweder ganz auszugehen in der großen Malerei italienischen Stils, oder von ihr zu lassen. Er konnte die Folgerungen ziehen aus den Gestalten und aus dem großen Wurf der Gesamtanlage. Dann wurde er, bei siärkerer Betonung des Formalen, eben ein deutscher Rubens; oder er gab, bei tieferer Verinnerlichung, etwas dem Michelangelo und seinem Terribile Verwandtes. Er konnte ferner die Folgerungen ziehen aus der Beseeltheit der Köpfe, wie er eben ihre Beseeltheit empfand, und dann mußte das Jtalienische weichen. Italien hatte ihm die Fähigkeit gegeben, über das Kleine wegzusehen; Italien konnte ihm aber nicht die Auffassung des Großen übermitteln, die uns in Deutsch- land taugte. Das war die Lage. Diirers Entscheidung aber war, daß er sich in jene unvergleichlichen Bildnisse um 151o ver- tiefte, die ihn das Fremde überwinden ließen und aufs Neue ihm die Wege ebneten zu deutscher Art. 4. Noah einen Anlauf nahm Dürer in der Richtung der sogenannten großen Malerei, um dann für immer frei zu fein. Es if? die Anbetung der Dreifaltigkeit, auch Aller- heiligenbild genannt. Das Bild felbfi besitzt die Wiener Galerie, Rudolf ll. kaufte es 1585 den Nürnbergern um 7oo Gulden ab (zunc"ichfi ward es nach Prag gefchafft). Der von Dürer gezeichnete und unter feiner Aufsicht gefohniizte