18o Gesieigerte Größe. annehmen, daß lDürer ursprünglich auch auf seiner Doppel- tafel noch das Beiwerk hatte, das die Geschichte des Sünden- salles noch biblisch ans chaulich erzählt. Zwar längst nicht mehr so volkstümlich ausführlich wie der Kupferstich, aber doch noch verständlich. Es muß Dürer, als er das Bild nach einiger Zeit überprüfte, zu gotisch und zu anekdotenhaft er- schienen sein, und so r"iberging er den F2intergrund und ließ außer den Steinen am Boden nur noch den Baumstamm mit der Schlange stehen. Wir heute bedauern es als eine Verarmung. Als Dürer später fiel) wieder ganz dem Deutsch- tum zuwandte, da ließ er gerade solches Beiwerk in drängender Fülle wieder herein. Einsiweilen aber war er dem wesentlichen" abhold, und die Entwicklungslinie, die sich vom Kupferstich über das tierbelebte Doppelbild hinüberzieht zum tierlosen, war für ihn bindend auch in der folgenden Zeit. 2. Die ersten deutschen Bes?ellungen kamen. Zunächst eine von Kurfürit Friedrich dem Weisen. Die Marter der zehntausend Christen unter dem Perserkönig Sapor sollte der Gegenstand sein. Im Sommer 15o7 wurde die meter- hohe Tafel in Auftrag geben, 28o Gulden rheinisch waren- ausgesetzt. Dürer hatte die grausige Legende schon einmal erzählt in einem frühen Holzschnitt der neunziger Jahre, als die- quälenden Gesichte der Apokalybse noch Macht über ihn hatten. Das lag nun lange hinter ihm. Aber so gleichgültig ihm jetzt das Blatt inhaltlich war, ein so starker Anreiz war ihm das Formale. Akte zu ganzen Haufen, in den ver- schiedensten Stellungen, und perspektivisch kunftvoll zu gruppieren. Beides, Akt und Perspektive, hatte er nach seinen neuen Erfahrungen im frühen F;olzschnitt ganz kindlich-