Venedig. 171 heitsarbeiten bis zur Leidenschaft. Oürer getraute ßch wohl, es in diesen Dingen mit dem berühmten Jtaliener aufzu- nehmen. ,,Fünf Tage!" Das ist ihm durchaus geglückt, und Einzelnes wurde so ernst genommen, daß z. B. Lorenzo Lotto das Gesicht des Mannes links zwei Jahre später bei einer Heiligengestalt (Onophrius) bis ins Letzte übernahm. Weniger obenhin aber vernahm Diirer eine andere Kunde: Leonardo war einer von denen, die ,,aus der Maß" malen konnten. Gestalten und Gesichter, regelmäßige und -verzerrte. Was in den Barbaritagen in Dürer lebendig geworden war, und was ihn seitdem bis an sein Lebensende nicht mehr verließ, wachte in Venedig von Neuem auf. In Bologna sollte einer wohnen, der sich mit diesen Sachen ganz besonders beschäftigte. Die Mitteilung geniigte Dürer, um ihn zu einem acht- bis zehntägigen Ausslug nach Bologna zu veranlassen. ,,Jch werde gen Bologna reiten um Kunst willen in heimatlicher Perspektiva, die mich einer lehren will." Wir wissen nicht sicher, wen er in Bologna auf- -gesucht hat (warscheinlich war es Lucor Pacioli Aber ein denkwiirdiges Zeugnis bleibt die so verschiedene Schätzung, die sich dort in dem Fünftagebild gegen die bloße Augen- blicksbeobachtung aussprach, und hier in dem tiefen Ernst, mit dem er dem das Gesei5mäßige erforschenden Leonardo nachging. Es war ein Verhängnis für Dürer, daß es ihm nicht vergönnt war, mit Leonardo selbst Fühlung zu gewinnen, und sieh begnügen mußte mit bloßen Barbari-Naturen. 4. Wir wollen uns nicht trennen von Venedig, ohne der Zehn an Wilibald Pirkheimer gerichteten Briefe zu gedenken, denen wir die Kenntnis aller Einzelheiten von Dürers Jtalienreise verdanken. Ein Zufall hat sie uns erhalten.