166 Venedig. berg mitnahm, hat er bis Ende Februar schon an den Mann gebracht. Die Maler mögen ihn noch immer nicht recht, aber die Edelleute finden trotzdem den Weg in seine Werkstatt. So groß ist oft der Andrang der Vesucher, daß er sich ver- leugnen muß. Als er endlich die Altartasel fertig hat, da ist auch sein Sieg vollständig. Dem Manne des Erfolges geben selbst die welschen Maler zu, daß er doch auch außer dem Stechen noch etwas verstehe. Sie haben ,,schoner Farbe" und ,,erhabner lieblicher Gemäl nie gesehen-, ist nun ihre Rede. Der Doge Leonardo "Lardano und der Patriarch von Venedig, Herr Antonius Surianus, bemühen sich höchstselbst in die Werk- statt des Deutschen, das Bild in Augenschein zu nehmen, von dem so viel die Rede ist. Auch in Venedig ist Dürer nun ein gemachter Mann. Bildnisaufträge laufen ein. Mehr noch: man bemüht sieh, die schäizenswerte Kraft im Land zu halten und bietet Dürer ein Jahresgehalt von 2oo Dukaten an, falls er nur bliebe. -Es war eine starke Versuchung. Dürer fühlte sich wohl in Venedigs vornehm gesellschaftlicher Umwelt. Die allgemeine Verehrung, die er als anerkannter Künstler überall fand, empfand er um so dankbarer, wenn er sie mit der niederen Schätzung in der Heimat verglich. Und dennoch blieb er fest. ,,O wie wird mich nach der Sonnen frieren! Hier bin ich ein Herr, daheim ein-Schmaro15er." Es hat ihn nicht hindern können, das stolze Herrendasein preiszugeben und wieder zurückzukehren in den Norden. Z. Das Nosenkranzbild, das Dürers venezianische Zeit be- herrscht, führt heute ei1x zurückgezogenes Dasein im Prä- monikratensersiift Straohow zu Prag. Es hat viel durchmachen