Venedig. 163 Pas1ion erkennen. Vier Jahre lang hat er mit dem Wider- streit gerungen, den der romanische Geist in seine Seele trug. Er ist auch dieser Gegensätze Herr geworden in jenem männlich festen Entschluß, der ihn dann die ,,große" Malerei trotz alles lockenden Ruhmes aufgeben ließ für lange Zeit. Nicht Mangel an Auftrcigen war es, was ihn bestimmte. Aufträge hätten sich schaffen lassen (von einem sehr gewinn- reichen, den er ,,glatt abgeschlagen", ist im 8. Brief an Heller die Rede). Die Frankfurter Altartafel wollte man ,,gleichsam mit Gewalt" von ihm haben und bot ihm fast das Dreifache des ursprünglichen Preises. Er konnte andere Tafeln dafür entwerfen und sich auf diese italienisierende Malerei feii'legen. Wir hätten dann einen lateinischen Dürer oder einen deutschen Rubens in ihm bekommen, einen genialen Virtuosen, die Begeisierung aller derer, die auf den Satz eingeschworen sind ,,Kunsi ist Form-C Das Schicksal hat es gut mit uns gemeint, als es Dürer diese Art Monumentalität verleidete. Die Kunst der international Vornehmen hat dadurä) verloren, nicht aber so das deutsche Volk. 2. In der deutschen Kolonie war, als Oürer im Winter 15o5 in Venedig ankam, lebhafter als sonst von Dingen der Kunst die Rede. Vor Jahresfrist war der Fondaco dei Tedeschi niedergebrannt. Ein erweiterter Neubau wurde beschlossen, und Ende Juni erklärte die Signoria sich nach- Iangen Verhandlungen damit einverstanden, daß der Auf- trag dem deutschen Baumeiiker Hieronymus zußel. Be- äeichnend war ihre Bedingung, daß an dem Reubau weder Marmor noch erhabene Arbeit verwendet werden dürfe. Die offenbare Absicht, dadurch das deutsche Ansehen zu schädigen, wußten die Kaufleute so zu umgehen, daß sie die Außen- mauern ihres Hauses von Tizian und Giorgione mit Fresken 11"