Der Malergentiluomo. 149 jeden Tadel auf sich nehmen? Er versteht nicht alles, was der Gentleman dran auszufegen hat, wird aus seinen dunklen Andeutungen nicht recht klug. Aber das liegt natürlich nicht nur an der Zurückhaltung des Fremden, sondern auch an -seiner eigenen deutschen Dummheit und Jugend. In Italien, mochte der aus Venedig bramabasieren, weiß jeder An- fänger besser Bescheid. Dürer mußte ihm wohl glauben, und die große Sehnsucht nach dem Süden, die über alle kommenden Geschlechter so Viel Gewalt azusübte, ging in ihm auf. Als Dürer später wirklich in Italien war, kam ihm wohl eine Ahnung von der Wahrheit. ,,Auch laß ich Euch wissen", schreibt er an Pirkheimer, ,,daß viel besser Maler hier sind weder draußen Meister Iacob isk." Das aber geht vorüber. Beiden andern merkte ers, wenn sie ihm sein ,,Ding" nachmachten und zum Dank noch zeterten: ,,es sei nit antikisch Art, darum sei es nit gut'-. Bei Iacobo blieb er verblendet. Als Alternder, lange nach Barbaris Tod, schreibt Dürer jene Sätze von dem Verstorbenen, der den Stein der Weisen hatte, wert eines neuen Königreichs, und dem er doch nicht folgen konnte. Er bittet die Prinzessm der Riederlande, ihm Jacobos Skizzenbuch zu schenken, in dem er Andeutungen zu Enden hofft. Das aber war schon einem anderen zu- gesagt. So groß war die Macht des weltgewandten, in jeg- licher Verstellung sicheren Gentiluomos über den nordischen Barbaren! Z. Wir gehen über zu den wichtigsten Werken, die unter sBarbaris Einfluß entstanden, zu dem, was die Antike in der Vermittlung des Iacobo auf Dürers Lebenswerk wirkte. Am Eingang sieht ein Kupferblatt, das größte, das Dürer jemals aus der Hand gab: der ,,heilige Eufiachius".