I22 .Kirä)e und Welt. Die beiden Schlußblätter sind spätere Zutat: ,,Christus" in der Borhölle" und ,,Auferstehung". Wäre die Kunst nichts als Form, so würde man ihnen den Preis geben müssen. Als Ausdruck aber nnd sie ohne Belang im Hinblick auf ,,Golgatha", ,,Kreuzigung" und ,,Beweinung". Ganz des reifen Dürer unwert ist der Myskerienspuk im Höllenbild. Christus selbst hat, es gibt keinen anderen Ausdruck, etwas Rubenshaftes. Er zeigt uns feinen schönen Körperbau. Sein Benehmen im Verkehr mit den tief unter ihm stehenden Kellerbewohnern der Hölle ist weltmännifch sicher, die Aus- führung des 8aubers?ückes der Auferstehung beinahe elegant. Es war Zeit für den Dürer von 151o, diese Überschäizung von sich abzutun, wenn er nicht ein lateinischer Dürer werden wollte, ein Vasall wie nach ihm Rubens. 2. Im MarienIeben hat Dürer sich wieder heimgefunden zum Besten im Volkstum. Das gefürchtete Jahr war vorüber- gegangen, und noch stand die Welt. Die Kassandraleute wollten damit noch nicht widerlegt sein und setzten auf ein neues dem- nächst fc"illiges Jahr. In Dr"irer wurde es ruhiger. Die Apoka- lypse hat ihn als Maler nie wieder beschäftigt. Die Leidens-s geschichte, deren skete Mahnung er dem Volke künden wollte, hatte er mit seelisch noch nicht zureichenden Kräften begonnen. Er gab die großgeplante Folge, die an stolzem Umfang der Apokalypse nicht nachiiehen sollte, bald wieder preis. Einer neuen Aufgabe sah er sich, endlich des schweren Jahrhundert- druckes ledig, gegenübergeskellt: das Leben unserer lieben Frauen im Bilde zu erzählen. Die Muttergottes, das war unter den ,,viel andern guten Ebenbildern" neben dem Er- löser die reinske Erscheinung, die sich ihm im Dienst der Kirche bot.