7. Kirche und Welt. 1. ,,Die Kunsi des Malens wird gebraucht im Dienst der- Kirche und dardurch angezeigt das Leben Christi und viel anderer guter Ebenbilder; behält auch die Gesialt der Men- schen nach ihrem Absierben." Dürer selbst hat die großen Gegensätze seines Schaffens auf diese knappe Formel gebracht. Im Dienst der Kirche und im Dienst der Welt, Gotik und Renaissance, beides regte ßch in ihm. Es isi ihm später geglückt, das Auseinander- sirebende in eins zu fassen und aus der gesammelten Kraft heraus Werke zu schaffen, die wir als vollendet fühlen. In seiner Jugend aber geht beides nebeneinander her, fast ohne Fühlung. Daß die ,,F2eren" und die anderen aufs Huma- nistis ehe gesiimmten Bilder vom selben Künsiler in der gleichen Zeit geschaffen werden konnten wie die ,,Apokalypse", das ist, wenn man sich nacheinander in beides recht versenkt, wie ein unbegreifliches Naturspiel. Jn dem vor uns liegenden Lebensabschnitt Dürers wiederholt es sich. Wir haben gegen das Ende dieser Zeit zwei bezifferte Kupfersiiche, ,,Weihnachten" und ,,Adam und Eva". Die Blätter sind sich so weltenfremd wie ,,der Traum des Doktors" und die apokal1)ptischen Reiter. Und doch is? eines wie das andere so bis ins Letzte gefühlt, daß jeder Ge- fOhiOhtsscl)reiber, wäre vom Menschen Dürer nichts bekannt und von den genannten Blättern nur so viel, daß sie in Nürn- berg im Jahre 15o4 gesiochen wurden, zu dem zwingenden-